denten  ein  Zentralkomiteederinbustriellen
Modbdilisierung.  Eine  dritte  Zentralbehörde  existiert
in  der  „Obersten  Sprengstoff=  und  Munitions=
  Kommission“.  Ihre  Aufgabe  ist  „die  gutachtliche
  Beratung  der  Sprengstoff=  und  Munitionsfragen
binsichtlich  der  bei  der  Privatindustrie  für  das  Heer  bestellten
  einschlägigen  Materialien“.  An  ihrer  Spitze  steht
ein  General  als  Präsident.  Diese  letztere  Kommission  teilt
sich  wieder  in  vier  sachlich-technisch  geschiedene  Unterkom--missionen,
  deren  Mitglieder,  insgesamt  15,  fast  alle  Hochsohsresestoren
  des  technischen  oder  chemischen  Faches
sind.

Die  Unterorganisation  des  erwähnten  Zentralkomitees
besteht  aus  sieben  sogenannten  Regionalkomitees.
Dieselben  sollen  die  Privatindustrie  zur  Kriegsbebarfsfabrikation
  heranziehen  und  dabei  in  kaufmännischer  wie
technischer  Hinsicht  unterstützen  und  fördern.  Von  ihnen

haben  lhren  Sitz:  das  piemontesische  Komitee  in  Turin,

das  lombardische  in  Mailand,  das  ligurische  in  Genua,
das  venezianisch-emilianlsche  in  Bologna,  das  für  Mittelstalien
  und  Sardinten  in  Rom,  das  süditalienische  in
Reapel,  das  siziliantsche  in  Palermo.  Auf  diese  Weise
umspannen  sie  das  ganze  Land.  Ichrerselts  wieder  gliedern

sie  sich  nach  den  Bezirken  der  in  ihrer  Provinz  bestehenden
Handelskammern.  Auch  zu  den  zwölf  Armeekorpsbezirken
deo  Landes  sind  die  Komttees,  gleichfalls  regional  orlentert

  in  eine  gewssse  verwaltungsmäßige  Verbindung  gebracht


rungen  der  Obersten  Sprengstoff=  und  Munitionskommisston
  bestehen  ferner  sogenannte  Regionalkommisst
  onen.  Diese  sollen  dem  Zweck  dienen,  die  Tätigkeit
  der  Komitees  in  technischer  Beziehung  zu  vervollstän-Sgen,
  eine  ununterbrochene,  sachgemäße  Kontrolle  der
Betriebe  durchzuführen  und  das  fertige  Material,  in  erster
Linse  die  Artilleriemunition,  zu  begutachten  und  abzunehmen.
  Solcher  Kommissionen  gibt  es  zehn.  Ihren  Sitz
haben  sie  im  allgemeinen  an  den  gleichen  Orten  wie  die
sieben  Regionalkomitees,  doch  bestehen  für  Venetien  in
Padua,  für  die  Marken  und  Toscana  in  Florenz  und  für
Apulien  und  die  Basllicata  in  Bari  eigene  Kommissionen.
Die  Leiter  und  Mitglieder  dieser  Kommissionen  sind  technisch
  ausgebilbete  Offiziere  des  aktiven  und  Beurlaubtenstandes.
  In  administrativer  und  technischer  Hinsicht  sind
sie  einem  der  militärischen  Industriebetriebe  des  Staates
in  Tuin,  Genua,  Bresecia,  Terni  ober  Neapel  unterstellt.

Die  auf  Grund  dieser  Organisation  geschaffene
Kriegshflfsindustrie  wiles  Ende  Juni  1910  folgenden
  Stand  auf:

Ere  arbeileten  für  Kriegsbedarf  11  bergbauliche  Betriebe
  (Elsen-  und  Quecksilberbergwerke),  7  Hochöfen,  565
metallurgische  Betriebe,  29  Fabriken  elektrischer  Motore
und  Apparate,  33  Gas=  und  Elektrizitätswerke,  63  chemische
  und  Sprengstoffabriken,  52  Fabriken  für  Transportmittel
  (Automobile,  Flugzeuge  und  Waggons),  23  Schiffswerften,
  69  Werke  verschiebener  Industrien,  Insgesamt  also
652  Betriebe.
Dazu  kommen  noch  die  als  Kriegshilfsbekriebe  erstärverwaltung
  arbeitenben  Leder-Tärten,

  für  die  Mili
sabriken  und  Gerbeien.  #

Reben  diesen  Regionalkomitees  und  als  Untergliede=Ueber

  den  Umsang  der  gesamten  itallenschen
  Kriegsindustrie  sind  im  Dezember  vorigen
Jahres  nähere,  wahrscheinlich  offizielle  Angaben  bekannt
geworden.  Danach  gab  es  damals  im  Lande:  #
«  ·  Anzahl  der
Arbeiter  Arbeiterinnen
22000  12500

606  militärische  Staalsbetriebe  5
Hil  345  000  55  500

932  sogen.  Hilfebetriebe
davon  produzierten:
91  Metalle,
352  Explosivstoffe  und
Themikalien,
489  Flugzeuge  u.  Kraftwagen,
Geschütze,  Geschosse.

1  Bomben  und  Kartuschen  ·-  *
1181  kleinere  Betribbe.  30000  5000—
2179  Betriebe  397  000  73000
Insgesamt  470  000  Arbeitskräfle.

Sind  diese  Angaben  in  der  Tat  bereits  achtunggebietend,
  so  muß  man  heute  mit  einem  nach  Amfang  und
Leistungsfähigkeit  noch  günstigeren  Stande  der  itallentschen
  Kriegoindustrie  rechnen.  Denn  gerade  im  Lause
dieses  Jahres  sind  zahlreiche  Reugründungen,  vor  allem
aber  Betriebserweiterungen,  Kapitalerhöhungen,  wirkschaftliches
  Jusammengehen  ineinander  arbeltender  Betriebe
  und  andere  Anzeichen  einer  glänzenden  Entwicklung
bekannt  geworden.  Genauere  Einzelheiten  würden  zu  weit
führen.  Hingewiesen  sei  nur  auf  die  im  letzten  Halbjahr
besonders  erfolgreichen  Bestrebungen  zur  Erweiterung  der
chemischen  Industrie  sowie  auf  den  gestelgerten  Ausbau
der  Wasserkräste  und  das  damit  verbundene  Aufblüben
der  elektrischen  Industrie  vor  allem  Oberitaliens.

Nach  dem  bisher  gebotenen  Bilde  stellt  sich  die  italienische
  Kriegsindustrie  im  Ganzen  als  ein  stattliches,
selbst  prächtiges  Gebäude  dar.  Das  kann  rückhaltlos  anerkannt
  werden.  Aber  das  Gebäude  ruht  auf  unsicherem,
weil  künstlich  mit  großen  Schwierigkeiten  geschaffenen  und
mit  ständig  wachsenden  Schwierigkeiten  künstlich  erhaltenen
  Grunde.  Die  grundlegende  Bedingung  für  eine
natürliche  industrielle,  besonders  schwerindustrielle  Cntwicklung
  ist  in  Italien  nicht  gegeben:  Kohlen  besitzt
der  italienische  Boden  überhaupt  nicht,  Eisenerze  nur
in  unzureichender  Menge.  Diese  beiden  wichtigsten  Rohstoffe
  müssen  unter  hohen  Kosten  vom  Auslande  bezogen
werden.  In  den  wirtschaftlich  normalen  Zeiten  des  Friedens
  waren  sie  ja  immerhin  noch  erreichbar.  Da  der
Staat  ihre  Einfuhr  erleichterte  und  förderte,  dazu  gleichzeitig
  durch  eine  Schutzzollpolitik  (leit  1878,  in  verstärktem
Maße  seit  1887)  den  heimischen  Markt  gegen  die  durch
Qualität  und  Preis  überlegenen  Probukte  der  ausländischen
  Industriestaaten  konkurrenzfähig  machte  und  erhielt,
  war  sogar  der  oben  dargelegte  Aufstieg  der  ttallenischen
  Eisenindustrie  in  den  letzten  Jahrzehnten  vor  dem

Kriege  ermöglicht  worden.  Die  Beteiligung  des  Landes

am  Kriege  brachte  aber  Schwierigkeiten.  Die  bequeme
und  sichere  Einfuhr  aus  Deutschland  fiel  weg.  Seitdem  ist
Stalien  für  seine  Kohlenversorgung  völlig  auf  England  angewiesen,
  die  geringe  Belleferung  mit  amerikanischer  Kohle
fällt  nicht  ins  Gewicht.  Daß  es  England  aber  trotz  besten

Willens,  wie  auf  Grund  der  verschiebenen  Abmachungen