Der  Kaiser  ruft.

Ein  sturnigewaltig  Klingen

Geht  durch  das  Deutsche  Reich,
Und  alle  Glocken  schwingen

Sich  allerort  zugleich;

Vom  Östmeer  bis  zum  Bodensee,
An  unsrer  Alpen  steiler  Nöh’,

In  Thüringen,  im  Odenwald,
Im  Bayerland  es  widerhallt,  .
Es  rauscht  durch  Eichenforst  und.  Tann,
Im  Fluge  stürmt  es  weiter:

„Der  Kaiser  rufi,  kommt  all  heran,
Hurra,  ihr  deutschen  Streiter!“

Schon  hört's  im  schwanken  Nachen
Der  Fischer  auf  dem  Meer.

Rasch,  das  die  Ruder  krachen,

Fliest  er  zum  Ufer  her.

Der  Bauer  läßt  von  Karst  und  Pflug,
Zuklappt  der  Lehrer  schnell  sein  Buch,
Im  Hammerschwung  hält  an  der  Schmied,
Der  Küster  jüäh  im  Kirchenlied,

Ihm  drang  ins  Ohr  ein  stärk’rer  Ton,
Aufhorcht  der  alte  Reiter:

„Der  Kaiser  ruft.  wir  kommen  schon,
Hurra,  wir  deutschen  Streiter!“

Mit  Jodeln  steigt  vom  Berge

Der  schmucke  Knapp  zu  Tal,

Am  .Strom  der  üraune  Ferge

Fährt  ibn  zum  ietztenmal;  _

Er  herzt  und  küsst  noch  Weib  und  Kind,
Fort  ziehen  beide  dann  geschwind.
Der  Zimmermann  den  Spruch  vergaß,
Zusammen  ınfft  er  Beil  und  Maß,

Wie  klinmt  so  burtig  der  Gesell

Von  Baugerüst  und  Leiter  —

„Der  Kaiser  ruft.  wir  kommen  schnell,
Hurra,  wir  deutschen  Streiter!*

Da  eilt  von  grüner  Weide

Der  Marschen  starker  Hirt,

Anrückt  im  Waffenkleide

Der  stille  Heidewirt.

Der  Dichter  springt  vom  Flügelpferd,

Die  Leier  schweigt,  jetzt  spricht  das  Schwert.