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Obere  Stufe.  Auf  der  oberen  düufe  kann  in  der  einen
zur  Verfügung  stehenden  Stunde  nur  die  Festhaltung  erlangter
Uebung  und  die  gelegentliche  Zusammenfassung  und  Erweiterung
des  Gelernten  be  ufs  Unterstützung  der  Lektüre  das  Ziel  wein.  Besondere
  Eigenthümlichkeiten  im  Gebrauch  der  Redetheile,  stilistische
und  synonymische  Ableitungen  sind  induktiv  und  mit  maßvoller
  Beschränkung  auf  das  Nothwendigste  und  Feststehende
zu  behandeln.

Die  Texte  für  die  häuslichen  oder  Klassen-Uebersetzungen
ins  Lateinische  hat  in  der  Regel  der  Lehrer,  und  zwar  im
Anschluß  an  Gelesenes,  zu  entwerfen.  Dieselben  sind  einfach
zu  halten  und  fast  nur  als  Rückübersetzungen  ins  Lateinische
zu  behandeln.

2.  Lektüre.  Je  sicherer  der  Grund  in  Grammatik  und
Wortschatz  gelegt  ist,  um  so  weniger  wird  das  Lesen  durch
formale  Hindernisse  aufgehalten,  und  um  so  mehr  werden  bei
der  Erklärung  überall  diesachlichen  Gesichtspunkte  in  den  Vorderrund
  treten  müssen.  Etwaige  Versuche,  die  bereits  in  den  Eränterungen
  zu  den  Lehrplänen  von  1882  entschieden  bekämpfte
grammatische  Erklärungsweise  in  Anwendung  zu  bringen,  sind
überall  streng  zurückzuweisen;  das  inhaltliche  Verständnis  des
Gelesenen  und  die  Einführung  in  das  Geistes=  und  Kulturleben
der  Römer  bilden  die  Hauptsache.

Auf  die  in  den  Lehraufgaben  betonte  Vorbereitung  auf
neue  oder  schwierigere  Schriftsteller  in  der  Klasse  muß  stets
gehalten  werden.

Die  beste  Erklärung  ist  und  bleibt  eine  gute  deutsche
Uebersetzung  des  Schriftstellers.  Dieselbe  13  in  gemeinsamer
Arbeit  von  Lehrer  und  Schüler  in  der  Klasse  festzustellen  und
durch  den  Schüler  zu  wiederholen.  Dadurch  wird  am  wirksamsten
  dem  Unfug  der  Benutzung  von  gedruckten  Ueberetzungen
  vorgebeugt.  Die  systematisch  geordneten  schriftlichen
Uebersetzungen  aus  dem  Lateinischen  in  der  Klasse  bilden  den
Prüfstein  erreichter  Fertigkeit.

Sind  gewisse  Abschnitte  oder  ein  Ganzes  übersetzt,  so  ist
mit  dem  Schüler  eine  Uebersicht  über  den  Inhalt  derselben
und  dessen  Gliederung  festzustellen.  Auf  der  Oberstufe  ist  dabei
durch  den  Lehrer  außer  den  Grundgedanken  auch  die  Kunstform
des  Gelesenen  dem  Schüler  zum  Verständnis  zu  bringen.  Bei
Schriftstellern  oder  Schriften,  welche  nicht  vollständig  gelesen
werden  können,  ist  streng  darauf  zu  halten,  daß  die  Auswahl
nach  bestimmten  sachlichen  Gesichtspunkten  erfolge,  und  daß
immer  ein  möglichst  abgeschlossenes  Bild  gewährt  werde.  Zur
Vervollständigung  desselben  muß  auch  die  regelmäßig  zu
pflegende  unvorbereitete  Lektüre  beitragen.