45.  Ein  Tier.

Ich  kenne  ein  Tier,  das  hat  immer  einen  Kamm  bei
sich,  und  doch  kämmt  es  sich  nie.  Es  trägt  den  Kamm
auf  dem  Kopf  und  hat  doch  keine  Haare  wie  die  kleinen
Mädchen.  An  den  Füßen  hat  es  einen  Sporn;  aber  es
ist  doch  kein  Reitersmann.  Es  hat  eine  Sichel  und  schneidet
  doch  niemals  Gras.  Es  badet  sich  bisweilen,  aber
nicht  im  Wasser,  sondern  im  Staube.

Wie  das  Tier  spricht,  wißt  ihr  alle.  Einmal  ruft  es
um  Mitternacht:  „Kikeriki,  es  ist  noch  zu  früh!“  Wenn
es  Morgen  wird,  weckt  es  die  Leute  und  ruft:  „Kikeriki,
es  ist  nicht  mehr  zu  früh!“  Bei  Tage  stolziert  es  auf
dem  Bauernhofe  einher  und  paßt  auf,  ob  es  regnen  will;
dann  ruft  es  wieder:  „Kikeriki!“

Damit  das  Tier  aber  noch  besser  sehen  kann,  woher
der  Wind  kommt,  und  wohin  die  Wolken  ziehen,  so  haben
die  Leute  es  auf  den  Kirchturm  gestellt.  Da  steht  es  aber
so  hoch,  daß  wir  es  niemals  rufen  hören.

46.  Wie  die  Henne  brütet.

Im  Frühling  und  Sommer  legt  die  Henne  viele  Eier.
Wir  nehmen  ihr  die  Eier  aber  immer  wieder  weg.  Lange
läßt  sich  die  Henne  dies  gefallen;  endlich  aber  möchte  auch
sie  aus  ihren  Eiern  Küchlein  ausbrüten  wie  die  andern
Vögel.  Sie  bleibt  jetzt  stundenlang  auf  dem  Neste  sitzen,
und  wenn  sie  draußen  scharrt,  so  gluckt  sie  dabei,  als  ob
sie  schon  Küchlein  hätte  und  sie  locken  wollte.  Die  Hausfrau
  merkt,  was  sie  wünscht,  und  legt  ihr  das  ganze  Nest
voll  Eier.  Da  freut  sich  die  Henne,  wenn  sie  das  volle
Nest  sieht.  Sie  setzt  sich  auf  die  Eier  und  steht  nun  nicht
wieder  auf.  Wenn  am  Morgen  die  andern  Hühner  auf
den  Hof  hinauslaufen  und  fette  Würmer  suchen  und  sich