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hier  niemand  sieht,  so  sieht  mich  doch  Gott.  Er  weiß  ja  alles.“  Anton
  ließ  Korb  und  äpfel  stehen  und  wollte  fortgehen.

„Halt,  bleib!“  rief  jemand  in  der  Stube.  Wie  da  der  Knabe
erschrak!  Ein  alter  Mann,  der  hinter  dem  Ofen  gesessen  hatte,  trat
mun  an  das  Senster.  „Fürchte  dich  nicht!“  sagte  der  Alte  zu  dem
Knaben;  „du  bist  ein  gutes  Kind,  weil  du  Gott  vor  Zugen  gehabt
hast.  Jetzt  nimm  eipfel,  soviel  du  willst  und  einstechen  kannst!“

89.  Ein  Rät;el.

„Röschen,“  sagte  Georg  zu  seinem  Schwesterchen,  „ich  will  dir
ein  Rätsel  aufgeben.  Wenn  du  es  rätst,  schenke  ich  dir  das  Ding,
das  ich  meine.“  —  „Dann  sag  einmal  dein  Rätsel!“  bat  Röschen.
—  „Ich  henne  einen  runden  Berg,“  sagte  Georg,  „der  ist  grün,  aber
im  herbst  wird  er  gelb  und  rot.  Inwendig  ist  der  Berg  weiß.  Ganz
tief  drinnen  im  Berge  steht  ein  hleines  Swerghäuschen  mit  Wänden,
so  dünn  und  zart  wie  ein  Blatt  Hapier.  In  dem  häuschen  sind  fünf
Kämmerchen,  und  in  jedem  Kämmerchen  wohnen  zwei  Brüder.  Sie
wohnen  so  eng,  daß  sie  immer  aufrecht  stehen  müssen.  Sie  können
sich  weder  setzen  noch  sich  hinlegen.  Sie  hönnen  auch  nicht  sprechen.
Aber  trotz  alledem  wachsen  sie  lustig  weiter.  Sum  Elüch  wächst  das
ganze  Häuschen  mit,  ja,  auch  der  ganze  Berg.  Wenn  das  nicht  wäre,
dann  wären  sie  schlimm  daran.  Solange  die  zehn  Brüder  klein  sind,
sind  sie  weiß;  später  werden  sie  braun  und  endlich  ganz  schwarze  Mohren.
  Sie  sind  aber  nicht  von  der  Sonne  so  verbrannt  worden,  denn
in  ihr  Häuschen  kommt  gar  keine  Sonne,  das  steht  ja  inwendig  im
Berg.  So,  das  ist  mein  Rätsel;  nun  rat  einmal,  Röschen,  was  das  ist!“

„Du  willst  mich  nur  necken“,  sagte  Röschen.  „Es  gibt  gar  kein
solches  papierenes  häuschen  in  einem  grünen,  roten  und  gelben  Berg,
und  es  gibt  auch  keine  solche  Mohren.“  —  „Mein,  Röschen,“  erwiderte
Georg,  „ich  necke  dich  nicht.  Es  ist  alles  wirklich  wahr,  und  den  ganzen
  Berg  kann  man  essen;  rate  doch  nur!“  Mit  diesen  Worten  holte
er  etwas  Rundes  aus  der  Tasche.  Das  sah  rot  und  gelb  aus  und
so  verlochend,  daß  Röschen  es  gar  zu  gerne  gehabt  hätte  und  schon
die  hand  danach  ausstrechte.  „Erst  raten!“  sagte  ihr  Bruder.  —  „Oh,
ich  weiß  es  jetzt,  Georg!“  rief  sie  voller  Freude;  „der  Berg  ist  ein
Kpfel!  Das  häuschen  ist  das  Kernhäuschen,  und  die  Brüder,  die  erst
weiß  sind  und  dann  Mohren  werden,  das  sind  die  Kerne!“  —  „Das