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Es  war  so,  wie  der  Knabe  berichtet  hatte.  Am  Morgen  hatte
der  Kaiser  befohlen,  daß  der  Unterricht  ausfallen  sollte,  damit  sich
alle  Schulkinder  Berlins  einmal  die  Parade  ansehen  könnten.  Die
Knaben  und  Mädchen  hatten  sich  kaum  im  Schulhause  versammelt,
als  sie  wieder  entlassen  wurden,  damit  sie  schleunigst  ihren  Eltern
Bescheid  sagen  und  um  die  Erlaubnis  bitten  könnten,  nach  dem  Pa—
radefeld  gehen  zu  dürfen.

Unsere  Knaben,  die  jenem  Herrn  Auskunft  gegeben,  hatten  sich
die  Einwilligung  ihrer  Eltern  schnell  erbeten  und  zogen  nun  vergnügt
  durch  die  Straßen.  Bald  liefen  sie,  bald  gingen  sie  im  Schritt.
Wenn  einer  aber  an  einem  Schaufenster  stehenbleiben  wollte,  so
zogen  ihn  die  andern  schnell  mit  sich  fort.  Als  sie  in  die  Friedrich—
straße  kamen,  wurde  das  Menschengedränge  immer  dichter;  doch  die
kleinen  schlanken  Gestalten  schlüpften  flink  hindurch.  In  der  Kreuzbergstraße
  war  aber  ein  Vorwärtskommen  nicht  mehr  möglich.  Hier
standen  die  Menschenmassen  wie  die  Mauern,  und  selbst  die  kleinsten
Burschen  vermochten  sich  nicht  mehr  hindurchzuwinden.  Da  ihnen
noch  ein  gewaltiger  Menschenstrom  folgte,  so  waren  sie  bald  mitten
in  der  Masse,  konnten  weder  vor=  noch  rückwärts  und  sahen  weder
nach  vorn  noch  nach  hinten  noch  nach  rechts  oder  links  etwas.  Nur
den  blauen  Himmel  sahen  sie  über  sich  und  die  Frühlingssonne,  die
ihre  warmen  Strahlen  auf  die  bunte  Menschenmenge  herabsandte.

Das  war  nun  freilich  ihre  Absicht  nicht  gewesen,  so  weit  zu
gehen  und  dann  nichts  als  ein  Stückchen  blauen  Himmel  zu  sehen
und  staubige  heiße  Luft  zu  atmen.  Ja,  einem  Knaben  wurde  schon
angst  und  bange.  Er  riet  den  andern,  schnell  zurückzuweichen  und
lieber  gesund  nach  Hause  zu  gehen  als  sich  hier  totdrücken  zu  lassen.
In  dem  Augenblicke  aber  hatten  auch  schon  freundliche  Leute  ihre
Not  gesehen.  Der  Besitzer  eines  Gartens,  dessen  hohe  Mauer  an
dieser  Stelle  die  Straße  begrenzte,  stand  auf  dem  breiten  Mauerrand
  und  betrachtete  das  Menschengewühl  zu  seinen  Füßen.  Er
hatte  die  Knaben  bemerkt,  ihr  vergebliches  Bemühen,  aus  der  Enge
herauszukommen,  beobachtet  und  wollte  ihnen  helfen.  Als  er  nun
den  Untenstehenden  zurief:  „Heben  Sie  mir  doch  einmal  die  Knaben
herauf!“  waren  sofort  kräftige  Arme  bereit,  und  ehe  sich's  die
Knaben  versahen,  wurden  sie,  einer  nach  dem  andern,  herausgehoben
aus  der  Enge,  hinauf  auf  die  freie,  luftige  Gartenmauer.  Der  Besitzer
  forderte  sie  auf,  sich  in  einer  Reihe  auf  der  breiten  Mauer