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„Seht  ihr  das  kleine  Mädchen  mit  seiner  Puppe  dort  am
Fenster?“  sagte  ein  Tröpflein.  „Das  wollen  wir  besuchen,  kommt!“

Aber  das  war  nicht  so  leicht;  denn  das  Fenster  war  geschlossen.
  Sie  klatschten  an  die  Scheiben;  aber  es  wurde  nicht  aufgemacht.
  Sie  liefen  die  ganze  Scheibe  hinunter  und  suchten  nach
einem  Eingang.  Endlich  fanden  sie  ein  ganz  schmales  Ritzchen  unten
am  ohe:  durch  dieses  quetschte  sich  nun  eins  nach  dem  andern

urch.

Nun  waren  sie  drinnen  in  der  Stube  bei  dem  kleinen  Mädchen.
  Es  hatte  ein  feines  weißes  Kleid  an  mit  einer  roten  Schärpe,
und  die  Puppe  auch.  Aber  trotzdem  machte  es  gar  kein  vergnügtes
Gesicht,  sondern  ein  sehr  böses.

„Seht  doch  —  seht!“  rief  plötzlich  eins  der  Tröpflein,  „aus
dem  Gesicht  des  kleinen  Mädchens  regnet  es  auch.“  Wirklich,  über
die  Backen  liefen  zwei  dicke  Tropfen.

Die  wurden  aber  gleich  ganz  böse.  „Wir  sind  keine  Regentropfen,
  wir  sind  was  viel  Feineres,“  sagten  sie,  „wir  sind  Tränen.
Das  kleine  Mädchen  hat  uns  geweint,  und  ihr  seid  daran  schuld.
Warum  kommt  ihr  gerade  heute?  Wußtet  ihr  nicht,  daß  es  heute
mit  seiner  Puppe  spazierengehen  wollte?"

„Nein,  daß  wußten  wir  nicht,  und  es  tut  uns  leid“,  sagten
die  Regentropfen.  „Ihr  seid  ein  unnützes  Volk  —  jedermann  ärgert
sich  bloß  über  euch“,  schalt  nun  auch  das  kleine  Mädchen.  Aber
die  Regentropfen  sagten:  „Nein,  das  ist  nicht  wahr,  wir  sind  nicht
unnütz.  Sieh  dir  bloß  das  Dach  da  drüben  an,  ist  es  nicht  blitzblank?
  Das  haben  wir  getan.  Alle  Dächer  in  der  ganzen  Stadt
haben  wir  gewaschen.  Und  es  ist  auch  nicht  wahr,  daß  sich  jedermann
  über  uns  ärgert.  Guck  doch  mal  da  auf  die  Straße  hinunter,
siehst  du  die  Tauben  dort?  Wie  vergnügt  die  sich  in  den  Pfützen
baden,  die  wir  gemacht  haben!  Sie  baden  sich  am  allerliebsten  in
Regenwasser  und  freuen  sich  immer  sehr,  wenn  es  regnet.  Und  viele,
viele  andere  haben  sich  auch  gefreut.“

Und  nun  erzählten  sie  von  der  staubigen  Landstraße,  die  sie
begossen,  und  von  den  durstigen  Blumen,  denen  sie  Wasser  gebracht
hatten.  Sie  erzählten  von  dem  armen  Bache,  der  seine  Kinder
verloren  hatte  und  so  froh  war,  daß  er  wieder  neue  bekam,  und
von  dem  kleinen  Vöglein,  das  sich  auf  die  Würmchen  und  Mücken
gefreut  hatte.