—  118  —

als  er  hinging,  konnte  er  wirklich  einen  Hirsch  schieben  und
brachte  ihn  mit  Freuden  dem  Könige.  Der  lachte  und  sprach:
„Schau,  wenn  man  nichts  Unmögliches  verspricht,  so  ist  das
Worthalten  leicht.“  Und  der  Spaftmacher  lachte  ins  Fäustchen:
denn  der  Junker  war  von  jetzt  an  bescheiden  und  prahlte
nicht  mehr.

149.  Der  kleine  Eernegroß.

1.  War  einft  ein  kleiner  Gernegroß,
fünf  Jahre  und  ein  halbes  bloß.
„Ei,“  spricht  er,  „ich  bin  nicht  mehr  klein;
ich  Rann  gar  wohl  ein  herr  schon  sein!“

2.  Er  nimmt  des  Daters  Stochk  und  hut
und  läuft  hinaus  mit  stolzem  Mut
und  merhkt  es  nicht,  der  kleine  Tropf,
daß  halb  im  hHute  stecht  der  Kopf.

5.  Und  alle  Leute  bleiben  stehn
und  lachend  auf  das  herrchen  sehn:
„Ei,  Hut,  was  hast  du  denn  im  Sinn?
Wo  willst  du  mit  dem  Jungen  hin?“

150.  Der  faule  Jockel.

Ein  Herr  hatte  einen  faulen  Knecht,  der  hieß  Jockel.
Als  der  Hafer  reif  war,  sagte  der  Herr:  „Jockel,  nimm  flugs
die  Sense,  geh  auf  den  Acker,  und  sobald  du  den  Hafer  abgeschnitten
  hast,  kommst  du  wieder  nach  Hausel  Der  Jockel
nahm  die  Sense  und  ging  bis  vor  den  Haferacker;  aber  als  er
Sah,  daß  viel  zu  schneiden  war,  getraute  er  sich  nicht  anzufangen,
  setzte  sich  unter  einen  Baum,  gähnte  und  schlief  ein.

Als  der  Jockel  gar  nicht  nach  Hause  kam,  wurde  es  dem
Herrn  zu  lange,  und  weil  er  keinen  Menschen  hatte,  schickte  er
seinen  Pudel  hinaus,  um  den  Jockel  zu  beißen,  bis  er  den
Hafer  abgeschnitten  hätte  und  nach  Hause  ginge.  Aber  der
Pudel  war  so  böse  nicht.  Da  er  den  Jockel  schlafen  sah,
dachte  er:  Der  macht  es  gescheit,  legte  sich  zu  dem  Jockel