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Kerzen  auf  grũnen  Leuchtern,  und  in  ihrer  Mitte  steht  wie  eine
Osterkerze  er  —  ber  Großglockner.

Und  wie  ich  ihn  wieder  so  anschaue,  so  fängt  er  an,  ganz
oben  immer  lichter  und  heller  zu  werden,  und  es  ist,  als  umgebe
ihn  ein  wunderbarer  Schein.  Jetzt  wird  die  Spitze  erst  rötlich
und  jetzt  noch  röter,  und  nun  glänzt  es  herunter  wie  eine  rosige
Flamme  und  wird  größer  und  größer.  Und  bald  stehen  auch  die
Häupter  der  übrigen  Eisberge  im  goldigen  Morgenglanze  da,  als
ginge  ein  Engel  unsichtbar  herum  und  zündete  sie  an  wie  der  Meßdiener
  die  Kerzen  in  der  Kirche.

Und  jetzt  wird  es  im  nahen  Föhrenwalde  auch  schon  lebendig.
Der  Bergfink  tut  den  ersten  Schlag,  und  die  Tannenmeise  fängt  ihr
Morgenlied  an;  der  Chor  der  andern  Vögel  macht  es  ihr  nach,  und
jedes  singt  seine  bekannte  Weise.  Von  der  Sennhütte  herauf  blöken
  die  Lüämmer,  das  Vieh  geht  auf  die  Weide,  und  es  läuten  gar
wundersam  die  Schellen  und  Glocken  am  Halse  der  Schafe  und  Rinder
  zusammen,  als  wollten  sie  zum  Gottesdienste  rufen.

Und  wie  ich  nun  so  über  den  Wald  und  die  Sennhütte  hinüberschaue,
  da  geht  das  Morgenrot  herauf  und  zieht  immer  weiter  über
den  Himmel  hin,  als  wäre  es  ein  durchsichtiger  roter  Baldachin.
Jetzt  wird  majestätisch  und  langsam  die  Sonne  heraufgehoben,  und
nun  steht  sie  im  herrlichsten  Glanze  über  den  hohen  Föhren=  und
Fichtenstämmen  und  leuchtet  über  die  Bergwiese  hin,  die  daliegt  wie
ein  grün  gestickter  Teppich.  Und  vom  Tale  auf  steigt  weißlicher
Nebel  wie  Weihrauchwolken  und  trägt  den  Duft  der  süßen  Almblumen
  zur  Sonne  und  zum  Himmel  empor.

Oh,  fürwahr,  es  war  mir,  als  stände  ich  in  einer  großen,  weiten,
  weiten  Kirche  am  hohen  Festtage,  so  feierlich  und  so  zum  Beten
angetan  war  alles  um  mich  her!  Was  ich  betete,  weiß  ich  nicht
mehr,  aber  eins  ist  mir  davon  doch  noch  geblieben.  Sooft  ich
nämlich  wie  jetzt  an  jenen  Morgen  und  den  Sonnenaufgang  auf
der  Kreuzspitze  denke,  kommt  mir  der  Wunsch:  „O  könntest  du  doch
einmal  noch  so  herzlich  und  so  warm  beten  wie  damals!“  Und
seither  ist  mir  das  Sprüchlein  erst  klar  geworden,  das  in  meinem
Gebetbuche  auf  dem  Titelblatte  gestanden:  „Die  ganze  Welt  ist
Gottes  Haus,  und  jedes  kindliche  Herz  ist  sein  Altar.“

4.  Gott  grüßt  manchen,  der  ihm  nicht  dankt.
Von  Johann  Peter  Hebel.
Gett  grüßt  manchen,  der  ihm  nicht  dankt.“  Zum  Beispiel,
"  wenn  dich  früh  die  Sonne  zu  einem  kräftigen  Leben
weckt,  so  bietet  er  dir:  „Guten  Morgen!“  Wenn  sich  abends
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