—  4  —

dein  Auge  zum  erquicklichen  Schlummer  schließt,  so  sagt  er:
„Gute  Nacht!“  Wenn  du  dich  mit  gesundem  Appetit  zur  Mahlzeit
  setzest,  so  sagt  er:  „Wohl  bekomm's!“  Wenn  du  eine  Gefahr
  noch  zu  rechter  Zeit  entdeckst,  so  sagt  er:  „Nimm  cich  in
acht,  junges  Kind,  oder  altes  Kind,  und  kehre  lieber  wieder
um!“  Wenn  du  am  schönen  Maitag  in  Blütenduft  und  Lerchen-Sang
  spazierengehst,  und  es  ist  dir  wohl,  so  sagt  er:  „Sei
willkommen  in  meinem  Schloßgarten!“  Oder  du  denkst  an
nichts,  und  es  wird  dir  auf  einmal  wunderlich  im  Herzen  und
naß  in  den  Augen,  und  du  denkst:  lch  will  doch  anders  werden,
als  ich  bin,  so  sagt  er:  „Merkst  du,  wer  bei  dir  ist?  Oder
du  gebst  an  einem  offenen  Grabe  vorbei,  und  es  schauert  dich,
so  sagt  er:  „Gelobt  sei  Jesus  Christus!"  Also  grüßt  Gott
manchen,  der  ihm  nicht  antwortet  und  nicht  dankt.

5.  Morgenlied.  Don  Heinrich  hoffmann  von  Fallersleben.

Es  taget  in  dem  Osten,  J.  Die  Blumen  richten  wieder
Es  taget  überall;  Enmpor  ihr  Hngesicht;
Erwacht  ist  schon  die  Cerche,  Mit  Tränen  in  den  Wangen
Erwacht  die  Nachtigall.  Schaun  sie  ins  Sonnenlicht.

2.  Wie  sich  die  Wolken  röten  4.  Und  könnt'ein  herbes  Leiden
fim  jungen  Sonnenstrahl!  J.  trüben  deinen  Mut:
hell  wird  des  Waldes  Wipfel,  Schau  hoffend  auf  gen  Bimmel,
Und  licht  das  graue  Wal.  Wie's  heut'  die  Blume  tut!

5.  Und  Srieden  hehret  wieder
Zu  dir  und  Freud'  und  Tust,
Und  wie's  auf  Erden  taget,

So  tagt's  in  deiner  Brust.

6.  Die  zweia  Pflüge.  Von  Ignaz  Franz  Castelli.

In  einer  Scheune  lag  verstecht
Ein  Pflug,  schon  ganz  mit  Rost  bedecht;
Er  sah  mit  Neid  und  stillem  Gram,
Wenn  blank  und  glänzend  alle  Nacht
Sein  Bruder  von  dem  Felde  kam.
Da  fragt  er  einst  mit  trübem  Sinn:
„Wie  kommt's,  daß  ich  so  rostig  bin,
Indes  du  glänzest  voll  von  Pracht?