—  19  —

morgen  gekochte  und  buntgefürbte  Eier  irgendwo  im  Hause
oder  im  Garten.  Ruft  dann  der  Vater  oder  die  Mutter:  „Der
Osterhase!  Eben  habe  ich  ihn  vorbeilaufen  sehen!“  so  macht
sich  alles  ans  Suchen.  Groß  und  klein,  alt  und  jung  durchstöbert
  jeden  Winkel  des  Wohnhauses  und  des  Gartens,  bis
die  einzeln  versteckten  Eier  zusammengefunden  sind.  Man
schenkt  den  Kindern  auch  wohl  Kuchen  in  Hasenform,  und  in
den  Städten  sieht  man  zu  Ostern  zahlreiche  Hasenfiguren  in
den  Schaufenstern  der  Kuchen-  und  Zuckerbäcker.

Die  Osterfeuer  sind  Freudenfeuer;  sie  werden  namentlich
in  gebirgigen  Gegenden  angezündet.  In  Westfalen  besonders
wird  diese  Sitte  treu  bewahrt;  im  Sauerlande  sieht  man  alljährlich
  Hunderte  von  Osterfeuern  auf  den  Höhen  auflodern.  Manche
  Berge  und  Hügel  heißen  davon  Osterberge.  Am  Osterabend
bringt  jeder  Bauer  seine  Abgabe  an  Stroh  und  Holz  zum  nahen
Hügel.  An  der  Sammlung  des  Brennstoffes  nimmt  die  Schuljugend
  regen  Anteil.  Sobald  die  Dämmerung  eingetreten
ist,  flackert  der  Holzstoß  in  hellen  Flammen  auf.  Rundum
stehen  die  Kinder  und  die  Erwachsenen  und  jubeln  vor  Freude
über  die  lichterlohe  Glut.  Bei  dieser  hochlodernden  Flamme
ertönt  der  frohe  Ostergesang.  „Christus  ist  auferstanden!e
schallt  es  über  Hügel  und  Tal,  durch  Wald  und  Feld.  Es
gewährt  einen  lieblichen  und  erhebenden  Anblick,  wenn  man
im  abendlichen  Dunkel  auf  allen  Hügeln  und  Bergen  den  rötlichen
  Glanz  der  Osterfeuer  beobachtet.  Ein  Dorf  entbietet
dem  andern  auf  diese  Weise  seinen  Freudengruß.

Schon  in  der  vorchristlichen  Zeit  wurde  zu  Ostern  ein
Lichtfest  gefeiert,  indem  man  zu  Ehren  der  Lichtgöttin  Ostara
große  Holzstöße  aufstapelte  und  anzündete.  Die  Kirche  hat
manche  vorchristliche  Bräuche  des  Volkes  gestattet  und  sie  in
ein  christliches  Gewand  gekleidet.  Das  OÖsterfest  wurde  als
ein  großes  Lichtfest  angesehen;  es  weist  nicht  bloß  auf  die
sonnige  Frühlingszeit  hin,  sondern  versinnbildet  auch  die  Erleuchtung
  der  Welt  durch  das  Christentum.  Die  Csterfeuer
loderten  jetzt  auf  zu  Ehren  des  Herrn,  der  wie  ein  strahlendes
Licht  vor  aller  Welt  aus  dem  Grabe  hervorging.  Manche
Bräuche  erinnerten  noch  an  den  Naturdienst  der  heidnischen
Zeit,  und  die  Kirche  hatte  oft  Anlaß,  durch  Unterweisung  und
Mahnung  den  Aberglauben  fernzuhalten.  An  manchen  Orten
hob  man  Bründe  und  Asche  vom  Osterfeuer  auf,  die  vor  allerlei
  Schaden  schũtzen  sollten.  Man  sprang  über  das  Feuer,  man
trieb  das  Vich  rasch  hindurch  oder  rannte  mit  den  brennenden

2.