—  22  —

2.  Mir  ist  zum  Geleite  3.  Mein  Hutschmuck  die  Kose,
In  lichtgoldnem  Rleide  KAlein  Lager  im  Moose,
Frau  Sonne  bestellt;  Der  Himmel  mein  Belt!
Die  wirft  meinen  Schatten  Mag  lauern  und  trauern,
Auf  blumige  Matten,  Wer  will,  hinter  Mauern,
Ach  fahr'  in  die  Welt.  Ich  fahr'  in  die  Welt!
27.  Der  rote  Hahn.  Von  Margarete  Hoffmann.

E-  war  Sommer.  Seit  Wochen  brannte  die  Sonne  vom  tiefblauen
Himmel  herunter.  Auf  den  Feldern  reifte  das  Korn,  und  die
Schnitter  mähten  es  nieder  im  Schweiße  ihres  Angesichts.  Das
Vieh  in  den  Ställen  brüllte  vor  Durst  und  Hitze;  die  Menschen
begossen  und  bespritzten  eifrig  Blumen  und  Rasen  in  ihren  Gärten
und  sagten:  „Wenn  es  doch  nur  bald  regnen  wollte!“

Kühl  und  schattig  war  es  nur  in  dem  großen  Walde,  der  sich
stundenlang  nicht  weit  von  dem  Dorfe  hinzog.  Die  alten  Bäume
hatten  ihre  Zweige  ineinander  verschränkt  und  hielten  wie  ein  großes,
  dichtes  Dach  die  brennenden  Sonnenstrahlen  zurück;  nur  einige
ganz  kleine  Lichter  konnten  sich  durchzwängen.  Sie  spielten  auf  dem
Waldboden  umher,  der  mit  Tannennadeln  bedeckt  war;  sie  liefen
hurtig  hier  und  da  an  den  Stämmen  hinauf  und  spielten  Verstecken
im  Gezweig  und  Gebüsch  des  Unterholzes,  wo  Hasen  und  Rehe  mit
ihren  Kindern  tagsüber  im  Nest  und  im  Lager  träumten.  Dicht
am  Walde  hin  erstreckte  sich  eine  breite  Fläche  Heideland.  Die
rosa  Glöckchen  an  den  dicken  grünbraunen  Büschen  waren  eben
daran,  sich  zu  erschließen;  bunte  Schmetterlinge  und  prächtig  gezeichnete
  Falter  gaukelten  über  sie  hin;  Bienchen  summten  und  probierten,
  ob  der  Honig  schon  reif  sei  zum  Eintragen;  Mücken  tanzten
lustig  in  der  Sonne  Ringelreihen;  blaue  Libellen  spannten  weit  ihre
seidenzarten  Flügel,  und  Spinnlein  webten  flink  und  geschäftig  ihre
Netze.  Jedes  Tierlein  war  vergnügt  und  freute  sich,  daß  es  in  der
Welt  so  wunderschön  war.

Da  wurde  es  mit  einem  Male  laut  und  lebendig  auf  dem
Heidestreifen.  Vom  Dorf  her  kamen  drei  fröhliche  Jungen.  Sie
schwenkten  ihre  Mützen  in  der  Luft,  lachten  und  jauchzten,  rannten
leichtfüßig  über  das  braune  Heidekraut  und  brachen  durch  das  dichte
Gezweig  eines  Tannenbestandes,  wo  sie  sich  auf  das  warme  Polster
von  Tannennadeln  niederwarsen.  Ja,  sie  konnten  wohl  lustig  sein,
denn  heute  nachmittag  war  frei,  „hitzefrei“  hatte  der  Lehrer  gesagt.