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die  Spritze  rasselte.  Mit  breiten  Schaufeln  und  Hacken  wollte  man
den  roten  Hahn  totschlagen  und  lief  hinter  ihm  her,  wie  er  über
die  braune  Heide  hüpfte.  Aber  er  äffte  seine  Verfolger,  duckte  sich,
wenn  die  Männer  nach  ihm  schlugen,  und  sprang  hinter  ihrem
Rücken  verräterisch  wieder  auf.  Das  ganze  Dorf  war  da,;  alle  Arbeit
  hatte  man  stehen  und  liegen  lassen,  aber  es  schien,  als  ob  das
ganze  Heer  der  Angreifer  nichts  ausrichten  könne  gegen  den  roten
Hahn,  der  noch  immer  in  voller  Kraft  seine  Flügel  schwang.

Da,  am  Abend  spät,  kam  Hilfe.  Schwarz  ballte  sich  Gewölk
in  der  glutheißen  Luft  zusammen,  dumpf  grollte  der  Donner,  und
ein  schweres  Gewitter  zog  herauf  mit  Blitzen  und  Krachen.  Und
gleich  darauf  öffneten  sich  die  Schleusen  des  Himmels,  und  ein
Platzregen,  wie  er  lange  nicht  niedergegangen  war,  stürzte  sich  auf
die  Flur.  Da  kroch  der  rote  Hahn  in  sich  zusammen,  da  war  seine
Macht  gebrochen.  Er  zog  seine  Flügel  ein,  immer  kleiner  und
kleiner  wurde  er;  zuletzt  war  er  verschwunden.  Vor  dem  Platzregen
hatte  er  sich  verkrochen  und  war  wieder  schlafen  gegangen.

Wenn  ihr  heute  mit  der  Eisenbahn  durch  die  Gegend  fahrt,
wo  sich  diese  Geschichte  zutrug,  so  seht  ihr  Waldstrecken,  auf  denen
verkohlte  Baumstümpfe  traurig  und  anklagend  ihre  verstümmelten
Aste  emporrecken;  ihr  seht  einen  braungesengten  Waldboden,  auf
dem  kein  einziges  Moos=  oder  Graspflänzlein  wächst,  und  ihr  seht
einen  breiten  Streifen  verbrannter  Heide  anstatt  der  zarten,  zierlichen
  Büsche  mit  den  rosa  Glöckchen  daran.  Und  das  alles  nur,
weil  leichtsinnige  Buben  den  roten  Hahn  aus  dem  Schlase  weckten.

28.  Das  Gewitter.  Von  Gustav  Schwab.

Lrahns  Grolßzmutter,  Mutter  und  Kind
In  dumpfer  Stube  beisammen  sind;
Es  spielet  das  Kind,  die  Mutter  sich  schmückt,
Großmutter  spinnct,  Urahne  gebückt
Sitzt  hinter  dem  Ofen  im  Pfühl.  —
Wie  wehen  die  Lüfte  so  schwüll!

2.  Das  Kind  spricht:  „Morgen  ist's  Feiertag,
Wie  will  ich  spielen  im  grünen  Hag.
Wie  will  ich  springen  durch  Tal  und  Höh'n,
Wie  will  ich  pflücken  viel  Blumen  schön!
Dem  Anger,  dem  bin  ich  holdl!“  —
Hört  ihr's,  wie  der  Donner  grollt