—  27  —

4.  Und  drinmen  kniet  ein  stilles  Kind,
Das  scheint  den  Grund  zu  jäten;
Nun  pflückt  sie  eine  Lilie  lind
Und  wandelt  längs  den  Beeten.

5.  Am  Horizonte  HDirten,  die
Im  Heidekraut  sich  strecken
Und  mit  des  Aves  Melodie
Cräumende  Lüfte  wecken.

6.  Und  von  der  Tenne  ab  und  an
Schallt  es  wie  Hammerschläge,
Der  Hobel  rauscht,  es  fällt  der  Span,
Und  langsam  knarrt  die  Säge.

7.  Da  hebt  der  Abendstern  gemach
Sich  aus  den  Föhrenzweigen,
Und  grade  ob  der  Hütte  Dach
Scheint  er  sich  mild  zu  neigen.

8.  Es  ist  ein  Bild,  wie  still  und  heiß
Es  alte  Meister  hegten,
Uunstvolle  Ulönche,  und  mit  Fleiß
Es  auf  den  Goldgrund  legten:

9.  Der  Simmermann  —  die  Hirten  gleich
Mit  ihrem  frommen  TLiede,
Die  Jungfrau  mit  dem  Lilienzweig
Und  rings  der  Gottesfriede,

10.  Des  Sternes  wunderlich  Geleucht
Aus  zarten  Wolkenstoren  —
Ist  etwa  hier  im  Stall  vielleicht
Christkindlein  heut’  geboren?

30.  Jur  Erntezeit.  bon  Johannes  Frolan.

Es“  glänzt  das  Korn  wie  mattes  Gold;  auf  schlanken
halmen  wiegen  die  fiühren  sich  und  schwanken

2.  Und  neigen  sich  hernleder  schwer  und  müde:
Hoch  liegt  auf  weitem  Feld  tlefstiller  Friede.

3.  Da  ruft  die  erste  Sense;  aus  der  Weite
fintwortet  ihr  mit  scharfem  klang  die  zweite.