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leuchtet  es  wie  ein  mildes  Flämmchen,  rötlich  und  goldig  im
Abendrot.  Die  Sonne  sinkt,  aber  die  Welle  wellt  fort,  bald
stahlgrau  und  dunkel,  bald  weißblau  im  Mondenschein,  oder
geht  unter  in  schwarzer  Nacht.

So  geht  es  mehrmals  fort,  und  zulett  stürzt  das  Schwarzwälder
  Wassertröpflein  in  einen  Fluß  oder  Strom  und  wird
hinuntergeschwemmt  ins  Meer.  Aber  so  groß  und  unergründlich
  das  Meer  auch  ist,  die  kleine  Welle  geht  darin  nicht  verloren;
  und  es  gibt  ein  Auge,  das  jeden  Tropfen  im  Meer  noch
kennt,  woraus  jene  Welle  zusammengesetgt  war.

Man  kann  oft  in  Büchern  lesen,  die  Zeit  sei  wie  ein
Fluß  und  die  Ewigkeit  wie  ein  unendliches  Meer.  Nun  denn,
ein  Tag  im  Menschenleben,  ein  Heute  ist  geradeso  wie  eine
kleine  Welle,  die  im  Bache  schwimmt  und  sich  hebt  und
glänzt  und  wieder  versinkt.

Es  quillt  der  Tag  hervor  aus  der  Nacht  und  dem  Schlaf.
glitzert  und  zittert  eine  Weile  an  der  Helle  und  sinkt  wieder
herab  in  eine  Nacht  und  den  Schlaf.  So  ein  Tag  ist  eine
Spanne  Zeit,  ein  Schritt,  ein  Pendelschlag,  ein  Rucke  vorwärts.
Jeder  Tag  ist  eingeklemmt  zwischen  zwei  Nächten;  ein  Tag
kommt  alten  Leuten  zuletzt  noch  vor,  wie  wenn  man  im  Finstern
  Feuer  schlägt,  wie  wenn  es  in  der  Nacht  blitzt.

O  Mensch,  du  kannst  die  Uhr  stillestehen  machen,  aber
nicht  die  Zeit  und  nicht  dein  Heute.  Die  Gelehrten  sagen,  die
Erde  mit  allem,  was  darauf  ist,  jage  schneller  im  Weltraume
fort  als  eine  losgeschossene  Büchsenkugel,  ohne  daß  wir  es
schen.  Das  ist  das  stille  Jagen,  der  stille  Sturm  der  Zeit.
Laß  dein  Leben  nicht  darin  zerbröckeln  und  zerstäuben  in
verdorbene,  nutlos  verlebte  Tage.  Jeder  Tag  wird  aufstehn
von  den  Toten  ins  ewige  Leben,  dir  zum  Gericht  oder  zur
Sschönen  Seligkeit.  Aber  du  bist  nur  Herr  und  Eigentümer
des  heutigen  Tages;  die  vergangenen  Tage  sind  unauslöschlich
eingeättt  im  Buche  deines  Lebens,  und  vielleicht  kommt  bald
das  letzie  Blatt,  dein  letztter  Tag;  und  der  Sarg,  in  den  sie
dich  legen,  ist  der  Gedankenstrich  zu  deinem  verflossenen
Erdenleben;  dann  nagelt  der  Schreiner  noch  den  eisernen
Schlußpunkt  hinein,  der  Totengräber  aber  wirft  den  Streusandüber
  dich  hin  mit  einer  Schaufel.  Gott  behüte  dich!