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35.  Der  Herbst  in  der  Stadt.  Von  Arno  Fuchs.

in  didter  Nebel  lastet  auf  der  Stadt.  Er  liegt  in  den  Straben

  und  auf  den  Anlagen,  schlägt  sich  auf  den  Bürgersteigen
  nieder,  setztt  sich  an  die  Blätter  und  Zweige  der  Bäume
und  fällt  in  Tropfen  herab.  Dick  und  zähe  verharrt  er  in
seiner  Lage.  Kaum  dreißig  Schritt  weit  kann  man  deutlich
sehen.  Die  Wagen  hört  man  in  der  Ferne  dahinrollen,  aber
man  sieht  sie  nicht,  bis  sie  endlich,  erst  verschwommen,  allmählich
  immer  schärfer  sichtbar  werden  und  aus  dem  Nebel
heraustreten.  Je  dicker  der  Nebel,  desto  lauter  ist's  auf  den
Straben,  den  Eisenbahnen  und  auf  dem  Flusse.  Da  man  nicht
schen  kann,  müssen  laute  Zeichen  gegeben  werden,  damit  man
sich  aus  dem  Wege  gehe.  Das  pfeift  und  läutet  und  ruft,  und
trotztem  gibt'’s  mandhen  Zusammenstoß.  Im  Park  aber  ist's
still.  Die  Stämme  verbergen  ihre  Kronen  im  Nebelgrau.  Kein
Vogel  singt,  nur  Meisen  zirpen  ängstlich.

Da  leuchtet  der  Nebel  plötzlich  hellor  auf.  In  den  Baumkronen
  beginnt  es  zu  rauschen;  didre  Tropfen  fallen  herab.
Der  Wind  zerreißt  die  Nebelschleier,  und  durch  die  graue  Nebelmasse
  leuchtet  die  Sonne.  Siegreich  verjagt  sie  die  feuchten
  Dünste  und  grüßt  mit  blassem  Scheine  die  Stadt.  Welch
wunderbares  Bild  bestrahlt  sie!  Wie  bunt  gefärbt  leuchtet
das  I.aub  im  Park!  Doch  wie  sie  mit  ihren  freundlichen  Strahlen
  die  Nebelfeuchte  trodenet,  da  bricht  ein  schönes  Blatt  nach
dem  andern  von  den  Zweigen,  wirbelt  und  tänzelt  in  der  Luft
und  fällt  auf  die  Parkwiese  oder  auf  den  Weg.  Wieviel  Schönheit
  sinkt  da  zur  Erde!  Den  zarten  Astern  auf  den  Beeten
fallen  Nebeltropfen  aus  den  Blüten.  Sind’s  Tränen,  die  sie
weinen?  Am  Himmel  aber  steigt  ein  Windbaum  drohend  embor.
  Er  kündet  den  Herbststurm  an.  Morgen  wird  er  kommen
  und  die  bunten  Blätter  mit  Gewalt  von  den  Bäumen
streifen.  Schon  am  frühen  Nachmittag  verschwindet  die  Sonne.
Der  Nebel  senkt  sich  wieder  über  die  Stadt;  immer  dichter
umhüllt  er  alles,  bis  er  endlich  als  feiner  Regen  herniederfällt.
  Nun  blinkt  alles  vor  Nässe  im  Licht  der  Laternen,  und
wer  über  die  Strabe  geht,  der  schreitet  vorsichtig  dahin,  denn
der  Weg  ist  schlüpfrig  und  voller  Pfütgen.  Das  ist  Herbstwetter!


Dann  schleicht  sich  aber  auch  bald  der  erste  Frost  in  die
Stadt,  treibt  die  Kinder  von  den  Spielplätzen  in  die  warmen
Stuben  und  tötet  mit  seinem  Hauche  die  letzten  Blumen  auf  den