—  34  —

2.  Betet,  daß  das  Amt  der  Engel
Allen  werde  anvertraut,

Die  wir  hier  im  Tal  der  Mängel
Wandelnd  unter  uns  geschaut.

3.  Wie  auch  jenen,  die  schon  lange
Von  uns  schieden  aus  der  Welt,

Daß  im  himmlischen  Gesange
Sich  das  Dreimalheilig  schwellt!

4.  Kehrt  den  Tränenblick  nach  oben
In  das  offne  Vaterland;

Die  zu  Christo  sind  erhoben,
Winken  mit  der  Siegerhand.

5.  Doch  die  noch  im  Kreise  fehlen,
Seufzen  tief  vom  Grund  herauf  —
Oft  erklingt's,  dann  schweben  Seelen
Reuig  in  den  Himmel  auf.

50.  Erlhönig.  Don  Johann  Wolfgang  von  Goethe.

10  reitet  so  spät  durch  Nacht  und  Wind?
Es  ist  der  Dater  mit  seinem  Kind;

Er  hat  den  Knaben  wohl  in  dem  K#rm,

Er  faßt  ihn  sicher,  er  hält  ihn  warm.

2.  „Mein  Sohn,  was  birgst  du  so  bang  dein  Gesicht?“
„Fiehst,  Dater,  du  den  Erlhönig  nicht?
Den  Erlenhönig  mit  Kron'  und  Schweif?“
„Mein  Sohn,  es  ist  ein  Mebelftreif."  —

5.  „Du  liebes  Kind,  komm,  geh  mit  mir,
Gar  schöne  Spiele  spiel  ich  mit  dir:
Manch  bunte  Blumen  sind  an  dem  Strand,
Meine  Mutter  hat  manch  gülden  Gewand.“  —

4.  „Mein  Dater,  mein  Vater,  und  hörest  du  nicht,
Was  Erlenhönig  mir  leise  verspricht?“
„Sei  ruhig,  bleibe  ruhig,  mein  Uind:
In  dürren  Blättern  säufelt  der  Wind.“  —

5.  „Willst,  feiner  Knabe,  du  mit  mir  gehn?
Meine  Uöchter  sollen  dich  warten  schön;
Meine  Uöchter  führen  den  nächtlichen  Reih'n
Und  wiegen  und  tanzen  und  singen  dich  ein.“  —