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waren  nur  die  Schellen  der  rasch  hinsausenden  Wagen  und
Schlitten  und  jenes  dumpfe  Gemurmel  von  Menschen,  die  sich
stoßen  und  drängen  und  sich  die  Zeit  nicht  nehmen,  einander
auszuweichen.

Wie  viele  Püffe  hatte  sie  schon  bekommen,  die  einsame
Frau  da  vor  dem  Justizgebäude,  die  allein  keine  Eile  zu  haben
schien,  sondern  immer  wieder  das  kleine  Stück  Weg  abmaß,
von  einer  Ecke  des  Gebäudes  bis  zur  andern  —  ruhelos,  unverdrossen.
  Sie  wartete  auf  ihren  Sohn,  auf  den  Stolz  ihres
Lebens,  auf  ihren  begabten,  klugen,  von  Vater  und  Mutter  angebeteten
  Jungen.  Auch  der  Lehrer  hatte  von  ihm  gesagt:
%Aus  dem  wird  einmal  was  Rechtes.“  —  Und  sie  war  die
Nächte  aufgesessen,  nur  damit  er,  der  beste  Schüler,  nicht  in
zerrissenem,  schlechtem  Zeug  herumlaufe,  und  der  Vater  hatte
sich's  Rauchen  abgewöhnt.  „Gibt  immerhin  ein  Paar  Schuhe  für
ihn“,  meinte  er.  Und  —  „er  muß  das  Beste  haben“,  hieß  es
bei  Tisch.  Hast  du  gesehen,  verwunderten  sich  die  Eltern,  wie
schnell  er  mit  seinen  Aufgaben  fertig  ist  —  kaum  daß  er  eine
Stunde  daranwendet,  und  ist  doch  der  Beste,  der  Beste  von
allen  —  unser  Kind  —  so  geringer  Eltern  Kind.  —  Ja,  er
kann  alles,  er  kann  alles  —  oh,  und  was  wird  noch  aus  ihm
werden!  —

Und  jetzt  stand  der  dreizehnjährige  Knabe  vor  dem  Schöffengericht
  da  drinnen  und  hatte  sich  wegen  Diebstahls  zu  verantworten,
  und  sie,  die  Mutter,  wartete  auf  ihn.  Seit  zwei  Uhr  ging
sie  da  auf  und  ab  und  sagte  sich's  vor,  was  ihr  der  Mann  gesagt:
  „Er  bleibt  zeitlebens  ein  bestrafter  Mensch,  und  das  kann
niemals  von  ihm  genommen  werden.“  —  „Niemals,  niemals!“
stöhnte  sie  auf;  der  brave  Name,  den  ihm  sein  Vater  mitgegeben,
  er  war  vernichtet,  die  große  Zukunkt,  die  sie  sich  für
ihren  Schn  erhofft,  sie  blieb  ein  Traum.  „Vielleicht,“  hatte  der
Vater  in  der  Nacht  gesagt,  „vielleicht  nehmen  sie  ihn  nicht  einmal
  mehr  in  die  Schule  auf,  und  es  wird  weiter  nichts  aus
ihm,  als  was  ich  selber  bin.“  —

Schen  fladrerten  die  Laternen  durch  die  schneeigen  Gassen,
und  das  harrende  Weib  trugen  die  Knie  nicht  mehr.  „GCott
im  Himmel,“  murmelte  sie  in  ihre  steifen  Finger  hinein,  „ich
hab’  vielleicht  gefrevelt,  weil  ich  mir  zuviel  auf  ihn  eingebildet
habe  —  Gott  im  Himmel,  straf  mich  nicht  zu  hort,  mach  ein
Ende,  ich  halt'  das  Warten  nicht  länger  aus!“"  —

In  ebendiesem  Augenblidt  kam  drinnen  die  Verhandlung,
nach  deren  Ende  das  Weib  schmachtete,  an  die  Reihe.  Nach