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Aufruf  der  Sache  schob  ein  bleicher  Mann  zitternd  einen  Knaben
vor  sich  her  bis  an  den  Richtertisch.

„Es  ist  mein  Sohn,  Herr  Richter“,  kam's  dumpf  von  des
Mannes  Lippen.

„Nehmen  Sie  nur  dort  Pla“,  sagte  der  Vorsitzende;  „Sie
können  der  Verhandlung  beiwohnen.“

Der  Mann  befolgte  den  Befehl,  nachdem  er  einen  kurzen
scheuen  Blick  durch  den  Saal  hatte  gleiten  lassen;  allein  die
sonst  von  Neugierigen  angefüllten  Bänke  waren  heute  leer;
so  kurz  vor  der  Bescherung  hatte  niemand  L.ust,  sich  mit  den
Bekenntnissen  armer  Verirrter  abzugeben.

Der  Vorsitzende  sah  sich  den  ürmlich,  aber  mit  peinlichster
Sauberkeit  gekleideten  Knaben  einen  Augenblick  schweigend
an;  der  kleine  Sünder  weinte  nicht,  aber  unter  seinen  Augen
zeigten  sich  dunkle  Ringe,  und  um  den  fest  zusammengeprebten,
Charakter  verratenden  Mund  zuckte  es  krampfhäaft.

„Du  bist  dreizehn  Jahre  alt?“  fragte  ihn  der  Vorsitzende.

Der  Angeklagte  nickte.

„Was  ist  dein  Vater?“  lautete  die  weitere  Frage.

„Arbeiter.“

llat  er  dir  nicht  gesagt,  daß  man  nicht  stehlen  darf?
Hast  du  das  nicht  auch  in  der  Schule  gelernt?“

„O  ja,  ich  weiß  es  ganz  gut“,  kam  es  leise  von  des  Angeklagten
  Lippen.

„Und  weißt  du  auch,  wohin  die  Menschen  kommen,  die
stehlen?“

„lns  Gefängnis.“

„Und  du  hast  es  doch  getan?“

„Ja.
„Du  hast  einen  Korb  mit  Apfeln  auf  dem  Markt  weggenommen
  und  bist  damit  davongelaufen?“

„Ja.“

„Warum  hast  du  das  getan,  hast  du  diese  Apfel  essen
wollen?“

aNein,  ich  wollte  meinen  Kameraden  zeigen,  daß  ich  alles
ann.“

„Daß  du  alles  kannst?“  wiederholte  der  Vorsitende,
wurde  aber  von  dem  Vater  des  Knaben  unterbrochen.  Er  war
sich  bei  den  letzten  Worten  seines  Sochnes  erschrocken  mit  der
Hand  übers  Gesicht  gefahren,  als  treffe  ihn  eine  plötzliche  Erleuchtung,
  und  nun  trat  er  vor:  „Herr  Richter,  uns  —  uns
allein  trifft  die  Schuld  —  uns,  die  Eltern!  Wir  waren  so  dumm,