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so  dumm,  Herr  Richter,  wir  haben's  ihm  in  den  Kopf  gesett.
daß  er  alles  kann  —  wir  sind  so  ungebüdet,  Herr  Richter,  und
—  da  haben  wir  ihn  so  bewundert.“

Der  Amtsanwalt  beantragte  einen  Verweis,  und  der  Vor-Sitende
  sagte  zu  dem  Knaben,  der  mit  gesenktem  Haupt  vor
dem  Tische  stand:  „Sieh  mir  einmal  fest  ins  Auge;  du  willst
den  Korb  weggetragen  haben,  bloß  um  deinen  Kameraden  zu
zeigen,  daß  du  alles  kannst?  Ihr  habt  aber  doch  von  den
Apfeln  gegessen?  Erzähle  mir  einmal  den  Hergang  der  Sache.“

Der  Angellagte  sah  dem  Richter  voll  ins  Gesicht  und
begann  mit  lauter  Stimme:  „Sie  haben  mich  gereizt;  ich  hatte
an  dem  Morgen  für  den  Aufsatz  die  beste  Note  bekommen.  „Wie
immer,  natürlicht  hatte  der  Lehrer  gesagt,  und  auf  dem  Weg
aus  der  Schule  haben  wir  uns  gebalgt,  und  ich  habe  jedesmal
gesiegt,  und  da  habe  ich  gesagt:  Lch  kann  überhaupt  alles.  Und
sie  machten  eine  Wette:  eins  könne  ich  doch  nicht  —  der  Obstfrau
  am  hellichten  Tag  den  Korb  wegnehmen  —  dazu  habe  ich
doch  den  Mut  nicht.  —  Und  ich  bin  hingegangen  und  habe  es
getan  —  ja,  und“  —  setgte  er  zögernd  hinzu  —  „von  den  Apfeln
haben  wir  alle  gegessen  —  ich  drei.“  —

„Die  Sache  verhält  sich  genau  so,  wie  du  sagst,“  nahm
der  Vorsitzende  wieder  das  Wort,  „ich  habe  sowohl  deinen
Lehrer  als  deine  Kameraden  über  dich  befragt;  was  du  getan,
war  schlecht  und  unüberlegt;  du  sollst  zwar  diesmal  noch  nicht
ins  Gefängnis  kommen,  aber  du  bleibst  zeitlebens  ein  bestrafter
Mensch,  und  das  kann  nie  von  dir  genommen  werden.“

Der  bleiche  Mann  stöhnte  laut  auf,  und  dem  Knaben
schob  das  Blut  so  jäh  zum  Herzen,  daß  er  einen  Augenblick
schwankte.

„Was  meinen  Sie,“  flüsterte  der  Richter  dem  Amtsanwalt
zu,  „der  kleine  Kerl  sicht  so  tüchtig  aus  —  wären  Sie  nicht
auch  für  eine  kleine  Inkorrektheit  in  diesem  Falle?“

Die  beiden  Herren  redeten  eine  ganze  Weile  im  Flüsterton
  miteinander,  dann  wandte  sich  der  Vorsitztende  wieder  dem
Knaben  zu:  „Willst  du  mir  dein  Wort  geben,  ein  demütiger
Mensch  zu  werden  und  dich  nie  wieder  an  fremdem  Eigentum
  zu  vergreifen,  wozu  dich  nur  dieser  schlimme  Hochmut,
dieser  dumme  Glaube,  du  könnest  alles,  verleitet  hat;  willst
du  mir  versprechen,  ein  braver,  tüchtiger  Mensch  zu  werden,
der  seine  Eltern  für  all  ihre  Mühen,  für  all  ihre  Güte  und
Liebe  einst  reichlich  belohnen  wird?“