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45.  Weihnachten  in  der  Kaserne.

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Die  in  der  Kaserne  um  den  langen  Tisch  sitzenden  Soldaten
springen  auf;  denn  die  Mutter  der  Kompanie  ist  in  die  Stube
getreten.  Aber  der  gestrenge  Feldwebel  kommt  diesmal  nicht  dienstlich.
  Er  hat  Hausschuhe  und  cinen  Drillichrock  an  und  eine  lange
Pfeife  im  Munde.

„Kinder,  das  Achtungrufen  könnt  ihr  heute  sein  lassen!  Nun
laßt  mal  sehen,  was  ihr  schon  geschafft  habt!“

Er  tritt  an  den  Tisch,  auf  dem  es  bunt  genug  aussieht.  Hier
liegen  große  Haufen  Papierketten,  aus  schwarzen,  weißen,  roten
Ringen  zusammengesetzt,  hier  kleine  Papierfahnen  mit  den  Farben
sämtlicher  Bundesstaaten.  Dort  müht  sich  ein  wohlgenährter  Pommer
  mit  seinen  dicken  Fingern  ab,  Nüsse  zu  vergolden.  Behutsam
wälzt  er  jede  Nuß  in  einem  großen  Teller  voll  Eiweiß.

„Na,“  meint  der  Feldwebel,  auf  die  danebenliegenden  Eierschalen
  deutend,  „die  sind  wohl  auch  nicht  weit  von  meinem  Hühnerstall
  gewachsen?“

Vergnügt  bejahend  nickt  der  Dicke;  der  Pommer  hat  von  den
Frauen  der  Unteroffiziere  so  viel  Eier  zusammengefochten,  daß  er
sich  außerdem  noch  einen  Eierkuchen  backen  kann.  Jetzt  öffnet  sich
die  Tür.  Ein  Grenadier  im  Ausgehanzug  tritt  ein,  nimmt  die
Hacken  zusammen  und  meldet:  „Herr  Feldwebel,  wir  haben  ihn!“
„Na,  dann  bringt  ihn  mal  hier  rein!“

„Er“  wird  denn  auch  hineingetragen  und  erweist  sich  nicht
etwa  als  ein  Deserteur,  sondern  als  ein  mächtiger  Tannenbaum,
den  die  Kameraden  mit  schmunzelnden  Mienen  betrachten.  Schon
ist  einer  mit  dem  „Juß"“  da,  der  zweite  beschneidet  bereits  das
untere  Ende  —  doa  steht  er,  der  prächtige  Baum!  Und  nun  geht's
ans  Schmücken.  Ab  und  zu  verschwindet  ein  Grenadier  an  sein
Spind,  um  ein  Stückchen  Marzipan  und  dergleichen  herbeizuholen.
—  Noch  lange  schimmert  heute  durch  das  große  Fenster  Lichterschein
auf  den  Posten  am  Kafernentor  hinab,  der  diesmal  nicht  hinaufschickt
  und  „Licht  aus!“  gebieten  läßt,  sondern  sich  freut,  daß  er
morgen  abend  keine  Wache  zu  tun  hat.  Endlich  wird  auch  das.
Fenster  da  oben  dunkel.  Die  Grenadiere  haben  ihren  „Dienst“  beendet
  und  suchen  ihr  Lager  auf.

Einer  und  der  andere  liegt  noch  mit  offenen  Augen  da  und
schaut  halb  traumbefangen  auf  den  im  Mondenschein  glitzernden
Baum.  Er  denkt  an  das  Tagelöhnerhäuschen  hinten  an  der  polnischen
  Grenze.  Dort  hat  die  Mutter  das  Bäumchen  mit  den  vier