59

meine  Fran,  wir  sind  singende  Vögel  auf  grünen  Zweigen,

wenn  wir  uns  an  das  Bett  des  Greises  setzen  können.

irgendeine  Sorge  auf  unserm

Liegt
Herzen,  dann  tragen  wir  sie

zu  dem  lieben  alten  Vater,  und  dieser  nimmt  sie  mit  in  sein
Gebet.  Ich  sage  dir,  es  lebt  noch  ein  Bruder  von  mir  in  der
Ferne;  der  hat  sich  schon  oft  dazu  erboten,  den  alten  Vater

zu  sich  zu  nehmen.  Aber  wir
daß  Gott  ihn  rufe.“

63.  Es  raucht  ein  Herd.

taucht  eln  Herd  nach  Osten  zu,
Das  lHeimchen  singt  im  stillen

aus,

Dort  ging  ein’  schöne  stlle  Frau
Iin  alten  Jahren  eln  und  aus.
Kein  Gettier  kam  den  Weg  entlang,
kr  zog  denn  kort  mit  Fruß  und  Dank.

2.  Die  Diele  war  so  weiß  gefegt,

flus  dlesen  blanken  Fenstern  sah

sch  einst  das  erste  Stückchen  Welt.
Da  lag  ich  lang  auf  Mutters  Tuch
Und  sprach  mit  meinem  Gilderbuch.

3.  Und  wenn's  im  Hause  Mittag
ç.  Sschlug
Und  rasselnd  flel  das  Uhrgewicht,
Nach  unserm  Vater  sahn  wir  aus
Und  wichen  nicht  und  wankten

nicht;

lassen  ihn  nicht,  es  sei  denn,

Von  Karl  Gusse.

Mir  ist,  ich  hing  die  ganze  Zeit
Wie  eine  Klett’  an  ihrem  Kleid.  —

4.  lch  welß  nicht,  ob  der  Herd
noch  raurkht
Und  noch  am  lierd  das  Heimchen
Angt,
Ob  heut’  noch  jeder  Gettler  gern

Wie  sonst  an  unser  Fürlein  klinkt.
So  gastlich  war  der  Tisch  bestellt.

Uur  Sonntags  mein’  sch  dann  und
wann,
lch  träf  so  alles  wieder  an.

5.  Die  Ulutter  stände  vor  der

üt,
Die  Augen  schattend  mit  der  Hand,
Wie  wenn  ich  von  der  Kelse  käm,
Und  alles  hätt  den  alten  Stand.
sch  hör'  das  Zirpen  durch  den
Kaum  —
Seid  still,  es  ist  mein  Sonntagstraum!

64.  Der  Brief  aus  der  Heimat.

Von

Annette  von  Droste-Hülshoff.

Sie  saß  am  Fensterrand  im  Morgenlicht
Und  starrte  in  das  aufgeschlagne  Buch,
Die  Zeilen  zählte  sie  und  wußt'  es  nicht,
Ach,  weithin,  weithin  der  Gedanken  Flug!