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Es  ist  nicht  zu  sagen,  welch  eine  Liebeskraft  in  Elternherzen
wohnt;  und  nicht  zu  zählen  sind  die  Herzschläge,  die  ums  Wohl  und
Wehe  der  Kinder  erzittern.  Sprichwortweisheit  weiß  davon  immer
aufs  neue  zu  künden:  „Ein  Vater  und  eine  Mutter  können  eher
sechs  Kinder  ernähren  als  sechs  Kinder  einen  Vater  oder  eine
Mutter“  —  „Muttertreu'  ist  täglich  neu"  —  „Ist  die  Mutter  noch
so  arm,  gibt  sie  doch  dem  Kinde  warm"  —  „Mutterhand  ist  weich,
auch  wenn  sie  schlägt"  —  „Mutter!  Mutter!  Wer  sie  hat,  der  ruft
sie;  wer  sie  nicht  mehr  hat,  vermißt  sie“  —  „Mutter  will  sagen
Märtyrin  —  Ohne  Mutter  sind  die  Kinder  verloren  wie  die  Bienen
ohne  Weisel.“  —  Und  solcher  Liebe  gegenüber  doch  so  viel  Undank?
Wie  soll  man's  fassen,  erklären?

Es  ist  eine  wundervolle  Strophe,  die  Goethe  gedichtet  hat:

„Angedenken  an  das  Schöne

Ist  das  Heil  der  Erdensöhne;

Angedenken  an  das  Gute

Hält  uns  immer  frisch  bei  Mute;

Angedenken  an  die  Liebe,

Glücklich,  wenn's  lebendig  bliebe“.
Ja,  darauf  kommt's  an,  daß  dieses  Angedenken  frisch  und  rege
bleibt!  Und  darum,  wenn  aus  dem  Ton  und  aus  der  Art,  in
denen  unsere  Kinder  ihre  Briefe  schreiben,  herauszuklingen  anfängt,
daß  das  „Angedenken  an  die  Liebe“  bleich  und  bleicher  wird,  dann
schreibe  man  ihnen  mit  großen  Buchstaben  immer  und  immer  wieder:

Denkt  an  die,  die  euch  liebhaben!

60.  Ein  Friebhofsbesuch.  Von  Johann  nepomuß  Vvogl.

Beim  Totengräber  pocht  es  an:
„Mach  auf,  mach  auf,  du  greiser  Mannl

2.  Tu  auf  die  Tür  und  nimm  den  Stab,
Mußt  zeigen  mir  ein  teures  Grab!"  v

5.  Ein  Fremder  spricht's,  mit  strupp'gem  Bart,
Derbrannt  und  rauh  nach  Kriegerart.

4.  „Wie  heißt  der  Teure,  der  Euch  starb
Und  sich  ein  Hfühl  bei  mir  erwarb?"
5.  „Die  Mrtter  ist  es;  kennt  Ihr  nicht

Der  Marihe  Sohn  mehr  am  Gesicht  ?“
Lesebuch  für  Overklaen  #t.  5