mal  um.  Ebenso  verwundert  war  auch  mein  Freund,  der  pustend
hinter  uns  herkam.  Das  Mädchen  war  gewiß  jugendfrisch  und
anmutig,  das  zeigte  ihre  Gestalt  und  ihre  Bewegung;  aber  —
so  viel  konnte  man  wohl  noch  sehen  —  vornehm  gekleidet
War  es  nicht,  und  das  emsige  Krauten  auf  dem  Acker  konnte
doch  nach  der  landläufigen  Ansicht  auch  nicht  gerade  als  vornehm
  gelten.  „Des  ischt  die  Fürnehmscht  im  Dorf!  wiederholte
  Frau  Adelheid  gewichtig,  als  sie  unsere  arg  zweifelnden
Gesichter  sah.  Sie  half  uns  auch  sofort  aus  dem  Traume.  „Des
isch's  bravscht  und  fleibigscht  und  's  akkuratescht"  Mäclle  im
ganze  Dorf!  Wie  die  au  für  ihr  arms  kranks  Mütterle  sorgt
—  und  so  lieb  und  so  fromm  wie  sc  ischt  —  und  des  heißt
ma  bei  ons  's  Fürnehmscht.“

Es  war  mir,  als  hätte  ich  einen  Edelstein  leuchten  sehen.
Und  ich  schwenkte  den  Hut  nach  dem  holden  Mäcchen,  ich
schwenkte  ihn  noch  einmal  und  rief:  „Hut  ab  auch  vor  dir,
du  wadrerer  schwäbischer  Volksmund!  Daß  vor  dir  nicht  das
reichste,  sondern  das  bravste  und  fleißigste,  das  akkurateste
und  frömmste  Mädcdhen  als  die  Vornehmste  im  Dorfe  gilt,  das
nehme  ich  als  ein  kostbares  Kleinod  aus  der  schönen  Schwibischen
  Alb  mit  nach  Hausel!“

lch  habe  noch  viel  Großes  und  Schönes  auf  der  Reise  gesehen
  und  gehört;  aber  besser  hat  mir  nichts  gefallen  als  dies
eine  Wort  aus  dem  schwäbischen  Volksmunde.

78.  Anneliese.  Von  Alsrida  Baadsgaard.

ir  befinden  uns  in  einem  der  freundlichen,  kleinen  Höuser  eines

Städtchens.  Die  Sonne  zittert  durch  die  niedrigen  Fenster
und  läßt  ihre  freundlichen  Strahlen  auf  Goldlach  und  Geranien
spielen;  sie  gehen  auch  auf  die  Dielen  herunter,  wo  welßer  Sand
gestreut  ist  und  Körbe  mit  reiner  Wäsche  stehen;  das  sieht  danach
aus,  als  ob  hier  eine  Waschfrau  wohnt.

uUnd  so  ist  es  auch.  Stine,  die  Waschfrau,  steht  in  der  Stube.
Sie  sieht  sehr  ernsthaft  aus,  während  sie  dabei  ist,  ihrer  Tochter
Anneliese  Zeug  zurechtzulegen  in  einer  kleinen  grünen  Holzlade  mit
roten  und  weißen  Tulpen  auf  dem  Dechel.

Anneliese  ist  nun  vierzehn  Jahre  alt  und  soll  sich  selber  ihr
Brot  verdienen,  womöglich  auch  die  Mutter  ein  wenig  unterstützen.
„Mutter,“  sagt  Anneliese,  „Peter  soll  meine  Tafel  und  meinen
Schieferstift  und  Schwester  Stine  soll  meine  Puppe  haben;  n-