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„Schlag  sie  tot!“  sagte  das  Küchenmädchen  Karen.  Aber  als
Anneliese  die  Maus  auf  den  Küchentisch  legte,  um  sie  zu  besehen,
schlüpfte  diese  schnell  wie  der  Blitz  in  ein  Loch  hinter  dem  Ausguß.
„Aa,  die  ist  wieder  zu  den  andern;  sle  müssen  alle  totgeschlagen
werden“,  sagte  Karen.  Aber  Anneliese  meinte,  die  Mutter  der  Maus
werde  sich  wohl  recht  freuen,  daß  sie  lebendig  nach  Hause  gekommen
sei,  und  sie  schichte  selber  schnell  einen  Gedanken  zu  Mütterchen
nach  Hause.

"  Ein  Weilchen  später  kam  der  Müller  in  die  Küche  und  gab
ihr  ihren  Lohn.  Es  waren  zu  ihrer  Uberraschung  zehn  Mark.
zunel  du  so  schön  auf  meinen  Jungen  ausgepaßt  haft“,  sagte  der

üller.

Da  Karen  nicht  in  der  Küche  war,  legte  er  einen  Fünfmarkschein
  für  sie  auss  Fensterbrett  und  bedechte  ihn  mit  einem  Stück
Holz,  damit  er  nicht  forttäme.  Dann  ging  er,  sein  Wittageschläschen
zu  halten.  Aber  mit  einem  Male  wurde  er  von  Karens  durchdringender
  Stimme  aus  seinen  Träumen  gerissen.  Sie  war  in  die
Küche  gehommen,  und  zu  ihrem  Schreck  war  der  Fünfmarkschein
fort.  Riemand  außer  Anneliese  war  in  der  Rüche  gewesen,  das
wußte  sie;  denn  sie  hatte  lange  vorm  Rüchenfenster  gestanden  und
Zeug  gespült.  Also  mußte  Anneliese  den  Schein  genommen  haben,
wie  eifrig  sie  das  auch  verneinte.  Es  machte  Karen  das  größte
Vergnügen,  Anneliese  zu  beschuldigen;  denn  sie  war  sehr  neidisch
auf  das  neue  Mädchen,  zu  dem  alle  so  gut  waren.

Der  Müller  konnte  so  etwas  von  Anneliese  nicht  glauben.
Er  verlangte,  die  Küche  sollte  aufs  genaueste  durchsucht  werden.
Kein  Stüch  blieb  an  seinem  Platze,  aber  der  Schein  fand  sich  nicht.

Das  wurde  nun  eine  traurige  Zeit  für  die  arme  Anneliese.
Was  half  es,  daß  die  Müllersleute  von  ihrer  Unschuld  überzeugt
waren.  Alle  andern  mißtrauten  ihr,  nachdem  die  GEeschichte  in  dem
ganzen  Städtchen  verbreitet  war,  was  Karen  gründlich  besorgt  hatte.
Die  Sonne  schien  so  freundlich  zu  ihr  hernieder,  aber  sie  konnte
ihr  auch  nicht  helfen.  Sie  wünschte  sich  weit,  weit  fort  und  weinte
an  des  Kleinen  Wiege  über  das  Mißtrauen,  das  sie  ertragen  mußte.

Eines  Tages  hörte  der  Müller,  wie  die  Müllerburschen  sich
über  den  verschwundenen  Schein  unterhielten.  „Der  ist  unter  die
Ratten  gegangen“,  sagte  einer.  Das  wurde  allmählich  zum  Scherzwort,
  aber  dem  Müller  gab  es  einen  Gedanken.  Er  ging  in  die
Küche  und  fragte,  ob  es  in  der  Küche  Ratten  gäbe.  Raren  versicherte,
  es  gäbe  zwar  neine  Ratten  dort,  aber  desto  mehr  Mäuse,
besonders  hinter  dem  Ausguß.  „Dann  soll  der  Ausgußtisch  abgebrochen
  werden“,  sagte  sogleich  der  Müller.  Aber  als  er  ihn  genau