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setzte:  „Herr,  wer  kann  da  fröhlich  sein,  wenn's  Elend  vor  der  Tür
steht?  Und  Ihr  redet  ganz  anders,  lieber  Herr,  als  es  Euch  ums
Herz  ist;  Ihr  wollt  uns  nur  auf  andere  Gedanken  bringen.“  „Guter
Alter,“  sagte  darauf  der  Bergherr,  „du  willst  verzweifeln,  weil
der  eine  gelehrte  Mann  aus  Dresden  nichts  gefunden  hat?  Nun,
so  Gott  will,  findet  der  zweite,  den  wir  in  nächster  Zeit  erwarten,
eine  neue  Silber=  und  Kobaltstufe.=  „Lieber  Herr,“  erwiderte  der
erfahrene  Bergmann  trilbe,  „ich  habe  zu  der  Hilfe,  die  uns  die
gelehrten  Herren  bringen  sollen,  wenig  Zutrauen.  Die  Schreckenund
  Schottenberggruben  wollen  nichts  mehr  hergeben.  Mit  dem
bißchen  Ernte  wird's  in  diesem  Jahre  traurig  werden,  und  über
das  Vieh  kommt  die  Seuche.“  Welchen  Nachhall  diese  Worte  erweckten,
  das  zeigten  die  traurigen  Mienen  ringsum.  Frau  Barbara
bedeckte  ihr  Gesicht  mit  beiden  Händen,  und  Herr  Christoph  sprach
mit  zitternder  Stimme:  „Hoffen  wir,  daß  der  zweite  aus  Dresden
neue  Stufen  entdecken  wird.“  Aber  die  andern  schüttelten  in  bangem
Zweifel  die  Häupter.
3.

Fürwahr,  es  war  eine  traurige  Zeit  und  gewiß  kein  Wunder,
  daß  die  braven  Annaberger  den  Mut  tief  und  immer  tiefer
sinken  ließen.  Was  sollte  aus  ihnen  werden,  wenn  die  Gruben  wirk.
lich  ausgebraucht  waren?  Sie  mußten  dann  verhungern;  denn  sie
hatten  da  oben  im  Gebirge  keinen  andern  Erwerb.  Und  in  der
nächsten  Woche  kam  der  zweite  Herr  aus  Dresden  an.  Der  fuhr
bald  in  diesen,  bald  in  jenen  Schacht,  beklopfte  alle  Wände,  nahm
Messungen  nach  rechts  und  links,  in  die  Höhe  und  Tiefe  vor,  aber
er  fand  auch  nichts.  Schließlich  schüttelte  er  dann  sein  weises  Haupt
und  ging  mit  einer  Rolle  Silbergulden  aus  dem  Säckel  des  Bergherrn
  wieder  von  dannen.  Run  gab  es  keine  Hoffnung  mehr  für
die  armen  Leute.  Ihre  Hämmer  und  Eisen  rosteten,  in  den  Ställen
wurde  es  leer  und  still,  und  obendrein  brach  noch  ein  grausiges
Hagelwerter  los.  Da  sank  denn  auch  unserm  Herrn  Christoph  zuletzt
  aller  Mut,  und  die  heitere  Miene,  die  er  bisher  um  der  Umgebung
  willen  zur  Schau  getragen,  verschwand  gänzlich.

4.

Da  geschah  es  eines  Tages,  daß  ein  armes  Weib  mit  drei
hungernden  Kindern  an  die  Tür  von  Herrn  Uttmanns  Hause  pochte.
Sie  war  eine  Fremde,  kam  weit  daher  und  bat,  um  Gottes  willen
ihnen  ein  Stück  Brot  und  für  kurze  Zeit  eine  Ruhestatt  zu  geben.
Frau  Barbara  empfing  die  Arme  nach  ihrer  Gewohnheit  mit  gütigen