jubelte:  „Ja,  mein  Gott  und  Vater,  wie  du  willst,  so  geschieht's.
Auf  deine  Gnade  habe  ich  gebaut,  und  du  hast  uns  diese  Arme  gesandt,
  damit  unsere  Trübsal  in  Freude  verwandelt  werde  und  nun
das  Glück  in  alle  Häuser  der  Stadt  wieder  einziehe.  —  Liebes  Weib.
du  bleibst  bei  uns!  Ich  will  dir  und  deinen  Kindern  Freundin,
Schwester,  Mutter  sein!  Sieh,  in  diesem  Orte  herrscht  Trauer.  Der
Hammer  des  Bergmanns  rostet,  das  Vieh  stirbt  hin,  verwüstet  liegen
die  Felder.  Mein  Gemahl  gibt  mit  vollen  Händen;  doch  was  können
die  Gaben  des  einen  sein,  wenn  alle  Not  leiden?  —  Lehre  uns  das
Klöppeln!  Wir  wollen  arbeiten  Tag  und  Nacht  und  mit  unsern
Spitzen  die  Kräftigsten  unter  uns  durch  das  ganze  Land  senden  und
so  wieder  Wohlstand  und  Freude  in  unsere  Häuser  bringen,  und,
wenn's  Gott  gefällt,  wird  auch  ein  Sümmchen  zurückgelegt  werden,
wenn  abermals  eine  traurige  Zeit  über  uns  hereinbrechen  sollte.
Deine  Hand,  gute  Frau!  Du  willst?“  Mit  beiden  Händen  schlug
die  Brabanterin  ein;  halb  nur  verstand  sie  Barbaras  Worte.

7.

Am  anbern  Morgen  wurden  auf  Herrn  Uttmanns  Betreiben  alle
Leute  mit  ihren  Kindern  —  nur  die  unter  fünf  Jahren  blieben  daheim
  —  zusammengerufen.  Der  Bergherr  teilte  jetzt  den  Leuten  Barbaras
  Pläue  mit.  Staunen  und  Zweifel  ringsum,  und  auf  die  Brabanterin
  und  ihre  Kinder  blickte  man  mit  ungläubigen  Mienen.  Aber
unser  würdiges  Paar  beachtete  das  alles  nicht;  es  ließ  Stäbchen  aufertigen,
  die  der  Schmied  mit  Haken  versah;  ein  Mann  wurde  nach
Dresden  geschickt,  um  Zwirn  zu  kaufen,  und  von  dorther  kam  auch
ein  Maler,  der  Muster  nach  Muster  zeichnete.  Der  Unterricht  begann;
wie  im  Spielen  lernte  man  das  Klöppeln.  Darüber  wurde  so  manche
Sorge  vergessen;  denn  mit  jedem  Tage  wurde  der  Zweifel  geringer  und
die  Hoffnung  größer,  und  nun  erschallte  nach  langer  Zeit  hier  wieder
ein  artiger  Scherz,  dort  ein  heiteres  Liedchen.  Und  als  zwei  Monate
verflossen  waren  —  oh,  wer  beschreibt  die  Freudenrufe,  die  da  durch
Annaberg  ertönten!  Denn  zwei,  die  man  derweil  mit  den  fertigen
Spitzen  hinausgeschickt,  waren  eben  heimgekehrt,  und  zwar  mit  leeren
Ranzen,  aber  dafür  mit  so  vollen  Taschen,  daß  man  meinte,  der
Reichtum  müsse  bis  in  alle  Ewigkeit  währen.

8.

Die  Brabanterin  konnte  diese  Freude  nicht  mehr  teilen.  Unweit
  der  großen  Linde,  die  noch  heute  inmitten  des  Kirchhofes  steht.
wurde  sie  wenige  Tage  vorher  bestattet.  Der  Gram  um  den  Ver-