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nicht  mehr.  Als  die  junge  Mannschaft  in  die  Schwadronen  verteilt
wurde,  bekam  der  jüngste  Leutnant  den  westfälischen  Rekruten  und
der  Rekrut  den  Leutnant,  und  es  war,  als  ob  über  den  beiden  eine
Stimme  spräche:  „Sehet  nun  zu,  wie  ihr  miteinander  fertig  werdet
in  Liebe  und  Geduld!“  Der  Leutnant  aber  war  just  unser  märkischer
Junker  Kurt.  Es  waren  die  ersten  Rekruten,  die  der  Leutnant  einzuexerzieren
  hatte.  Nun  ist  es  wahrlich  kein  leichtes  Stück  Arbeit,  aus
einem  drallen,  vierschrötigen  Bauernjungen  einen  schmucken  und  gewandten
  Reiter  herzustellen.  Es  dauerte  auch  nicht  lange,  da  kamen
die  zwei,  Leutnant  und  Rekrut,  in  nähere  Berührung.  Der  Rekrut
tat  alles  nach  Befehl,  aber  wie  weiland  Till  Enlenspiegel,  der  das
Kind  ersäufte,  das  er  baden  sollte.  Der  gute  Westfälinger  war  des
Leutnants  tägliches  Magenpflaster.  Aber  wenn's  so  recht  zum
Aus-der-Haut-Fahren  war,  da  war's  doch,  als  hörte  er  eine
weiche  Stimme  hinter  sich:  „Kind,  Kind,  habe  Geduld  mit  andern
Leuten!“  Und  der  Westfälinger  berichtete  an  seine  Mutter:  „Es
geht  alles  gut,  nur  der  Leutnant  ist  arg  ungeduldig.  Ich  kann  ihm
nichts  recht  machen,  denn  er  ist  zornig,  aber  doch  bald  wieder  gut,
und  ich  lerne  viel  bei  ihm.“  So  strichen  die  Monate  hin,  als  plötzlich
die  Wolken  sich  zusammenzogen,  aber  diesmal  nicht  auf  der  Stirn
des  Leurnants,  sondern  am  Völkerhimmel,  und  wie  ein  Wetter  aus
heiterer  Luft  kam  die  Kriegserklärung  im  Jahre  1870.

Der  Leutnant  war  zu  Besuch  bei  seinen  Eltern,  als  die
Kriegserklärung  eintraf.  Hochklopfenden  Herzens  hörte  der  junge
Mann  die  Botschaft.  Am  Abend  vor  dem  Abschiede  nahm  der  alte
Freiherr  seinen  Sohn,  zeigte  ihm  die  Bilder  der  Ahnen,  sein  Eisernes
Kreuz  aus  dem  Jahre  1813  und  noch  ein  Stück  des  Lorbeerkranzes,
den  er  einst  bei  der  Heimkehr  empfangen  hatte.  „Nimm  meinen
Säbel  mit,  mein  Sohn,“  sagte  er  und  gab  ihm  das  Gehänge,  „und
denke  an  deinen  Vater,  an  König  und  Vaterland!“  Was  die  Mutter
  ihm  sagte,  das  lag  alles  im  Blick  und  in  der  segnenden  Hand
auf  seinem  Haupte.  „Hab  Geduld  mit  dir  und  mit  den  Rekruten“,
  sagte  sie  ihm  noch  ins  Ohr.  —  Auch  zum  Westfälinger  kamen
die  Seinen,  Abschied  zu  nehmen.  Sie  hatten  noch  viel  mitgeschleppt,
  so  daß  er  reichlich  unter  die  Kameraden  teilen  konnte.
Aber  als  der  Trompeter  das  Signal  zum  Sammeln  blies,  da
mußte  geschieden  sein.  Sie  küßten  sich  und  weinten  zusammen,
und  beim  Scheiden  sagte  die  Mutter  leise:  „Hermann,  bete  nur,
daß  du's  recht  machst  vor  Gott  und  den  Menschen  und  auch  vor
dem  Leutnant!“  —

Die  Heimat  lag  schon  weit  zurück;  über  den  Rhein  war's
gegangen,  die  ersten  Siege  waren  erfochten,  als  die  heißen  Tage