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des  14.,  16.  und  18.  August  auch  das  tapfere  Regiment  ins  Feuer
brachten.  Es  war  in  der  Schlacht  bei  Vionville.  Es  galt,  die  breite
Lücke,  die  zwischen  den  Divisionen  Buddenbrock  und  Stülpnagel  eingerissen
  war,  zu  füllen  und  dem  Stoß  des  Feindes  zu  begegnen.
Und  sie  sausten  heran,  die  Reiter  in  geschlossenen  Reihen  wie  Wetterwolken,
  ihre  geschwungenen  Säbel  wie  die  zackigen  Blitze  zwischendrein,
  und  hinein  ging's  in  die  französischen  Regimenter.  Da
brachen  aus  einem  Hinterhalte  französische  Kürassiere  und  Dragoner.
Es  galt,  sich  durchzuschlagen.  Der  Leutnant  geriet  abseits,  und
flugs  waren  etliche  gewaltige  Reiter  an  ihm.  Er  focht  im  Einzelkampfe
  gegen  sie,  bald  an  ihnen  vorbeijagend,  bald  um  sich  hauend.
Aber  sein  Arm  wurde  müde,  sein  Auge  umdunkelte  sich,  er  befahl
Gott  seine  Seele  —  da,  im  Augenblick  der  höchsten  Not,  die  Feinde
schon  dicht  hinter  ihm,  saust  ein  preußischer  Reiter  heran,  daß  der
Erdboden  dröhnt.  Er  sieht  den  Leutnant  umringt,  in  Todesnot,
gibt  dem  Pferde  die  Sporen,  setzt  über  den  Graben  und  ist  den
Reitern  am  Wamse.  Den  einen  haut  er  herunter  zur  Rechten,  den
andern  zur  Linken  über  das  Gesicht,  daß  ihm  das  Sehen  vergeht,
die  andern  machen  kehrt.  Der  Leutnant  fühlt  freie  Luft  hinter  sich
—  wer  mag  der  rettende  Engel  sein?  Er  bringt  sein  schäumendes
Roß  zum  Stehen,  und  hinter  ihm  hält  —  der  dumme  Rekrut,
sein  Schmerzenskind,  das  freudestrahlend  ihm  entgegenruft:  „Herr
Leutnant,  hab'  ich's  nun  recht  gemacht?“  Der  Leutnant  will  eben
anheben  zum  Lobe,  da  pfeift  es  aus  dem  Gebüsch,  und  den  treuen
Westfalen  trifft  die  Kugel  durch  den  Helm  mitten  in  die  Stirn,
daß  er  lautlos  vom  Pferde  sinkt.  Weinend  wirft  sich  der  Leutnant
  über  den  Gefallenen  und  ruft  ihm  in  die  Ohren:  „Ja,  ja,
treue  Seele,  das  hast  du  recht  gemacht!“  Der  hörte  es  freilich
nicht  mehr,  aber  das  Lob  ist  hinaufgegangen  und  hineingefallen  in
die  Wagschale  des  ewigen  Richters,  der  die  Treue  auf  Erden  ansieht.

Wenige  Tage  darauf,  als  die  gewaltigen  Siege  errungen
waren,  wurde  der  Leutnant  mit  seiner  Schwadron  zur  Patrouille
abgeschickt.  Sie  reiten  an  einem  Gehölz  vorbei,  es  kracht  hinter
den  Bäumen  —  Franktireure  sind's,  die  sich  im  Walde  versteckt
haben.  Der  Leutnant  sprengt  mit  geschwungenem  Säbel  heran  in
das  Gehölz,  aber  noch  ehe  er  zum  Streich  ausholen  kann,  sinkt  er
tödlich  getroffen  vom  Pferde.  Wohl  säubern  die  Kameraden  das
Gehölz,  und  keiner  der  Feinde  entrinnt.  Als  den  einzigen  Toten
von  ihrer  Seite  bringen  sie  ihren  Leutnant  zurück.

So  ruhen  sie  denn  beide  im  kühlen  Schoß  in  Frankreichs
Erde,  sind  im  Frieden  miteinander  geschieden,  sind  einander  noch
froh  geworden  in  dieser  Welt.  Drüben  in  Westfalen  weint  das  eine

Lelebuch  für  Cberklassen.  Mh.  7