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92.  Treu  bis  in  den  Tod.

Von  Heinrich  von  Holleben.

m  23.  Juli  1896  hatte  das  deutsche  Kanonenboot  Utis  den

Hafen  von  Tschifu  verlassen  und  steuerte  südlich.  Fried--lich
  wehte  die  schwarzweibrote  Flagge  vom  Hauptmaste;  sie
grüßte  und  schützte  die  Deutschen  in  weiter  Fremde.  Es  war
aber  das  letztemal,  daß  der  wackere  lltis  mit  seinem  eisernen
Panzer  im  Strahle  der  Sonne  erglänzte  und  das  ruhige  Meer
durchfurchte.

Am  Abend  brach  plötzlich  ein  furchtbares  Unwetter  an.
Dichter  Nebel  umhüllte  das  Schiff,  und  der  Sturm  wurde  zum
verheerenden  Orkan,  der  die  vorhin  noch  ruhigen  Wasser  aufwühlte.
  Ein  Taifun  hatte  das  Schiff  erfaßt.  Bald  trieb  er  es
Pfeilschnell  voran,  bald  drehte  er  es  wie  einen  Spielball  im
Kreise  herum.  Dann  heben  die  gewaltigen  Wogen  das  steuerlose
  Schiff  haushoch  empor  und  lassen  es  gleich  wieder  in  die
gähnende  Tiefe  binabstürzen.  Auf  einmal  ertönt  ein  kurchtbarer
  Krach;  das  Schiff  ist  auf  die  nahen  Felsen  geschleudert
und  sitzt  kest.

Soweit  das  Auge  der  Schiffbrüchigen  reichte,  war  nichts
anderes  zu  erblicken  als  ein  feuriger  Gürtel  der  an  den  Felsen
brandenden  Wogen.  Die  Maschine  versagte  beim  ersten  Anprall
  auf  die  Klippen;  an  eine  Rettung  der  Mannschaft  durch
Leute  vom  Lande,  an  ein  Retten  durch  die  eigenen  Boote
War  kaum  zu  denken.  Die  Lage  war  verzweifelt;  die  schweren
Grundseen  hoben  und  senkten  das  Schiff.  Stützen  und  Ballken
bogen  sich,  die  Verbindungen  lösten  sich  und  zerrissen,  und
bald  war  das  schöne  Schiff  ein  bilfloses  Wrack,  in  das  die
Fluten  ungehindert  eindrangen.  Als  das  Schiff  in  der  Mitte
auseinanderzubersten  drohte,  versammelte  der  Kapitänleutnant
Braun  zum  letzten  Male  die  Mannschaft  um  sich.  Seine  Worte
überhallten  einen  Augenblick  den  Sturm;  angesichts  des  Todes
brachte  er  dem  kaiserlichen  Herrn  in  der  fernen  Heimat  ein
dreimaliges  Hoch  aus,  und  die  todgeweihte  Mannschaft  stimmte
donnernd  mit  ein:  „Hurra,  hurra,  hurra!“  Dann  brach  wieder
eine  Woge  über  das  Wrack  hinweg  und  riß  den  tapfern  Kapitän
  mit  vielen  Getreuen  vom  Htis  in  die  schaurige  Tiefe,  in
das  ehrenvolle  Grab.

Unterdessen  brannte  der  Oberfeuerwerksmaat  Rachm  unentwegt
  vom  Vorschiff  Raketen  ab,  um  damit  Hilfe  herbeizurufen.
  Als  alle  Mittel  umsonst  erschöpft  waren,  da  stimmte

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