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Unter  ihnen  war  der  Mönch  Panko  von  St.  Gallen,  der  größte
Meister  kunstreicher  Gußarbeit.  Er  stand  am  Fenster,  um  seinen
draußen  wartenden  Knechten  das  Zeichen  zum  Läuten  zu  geben.
Sein  schmales,  faltiges  Gesicht  lehnte  am  Fensterpfosten.  Er  hörte
nicht  auf  die  leisen  Gespräche  der  Herren,  er  sah  nicht  das  bunte,
wogende  Volk  unter  sich.

Der  junge  Einhard,  Kaiser  Karls  Freund,  trat  hinter  ihn.

„Meister  Panko,“  begann  er,  „ich  glaube,  du  kannst  die  Gnade
unsers  gerechten  Kaisers  erwarten.“

Panko  blickte  zur  Seite.  „Wenn  das  Geläut  der  großen  Glocke
des  Kaisers  Herz  rührt,  lieber  Herr,  so  mag  Gottes  Stimme  in
ihr  sein.“

„Nun,"  lachte  Einhard,  „wenn  das  Werk  gelang,  was  Wunder!
Du  bekamst  alles,  was  du  wünschtest.“

„Ich  danke  dem  Kaiser“,  sagte  der  Mönch  und  verneigte  sich.

„Zehntausend  Pfund  Silber  hättest  du  statt  Zinn  erbeten,
sagte  mir  der  Kaiser.  Du  wolltest  eine  Glocke  schaffen,  schöner  als
je  eines  Menschen  Ohr  sie  vernahm."“

Der  Mönch  wurde  blaß  und  zögerte  mit  einer  Antwort.

„Du  erhieltest  alles  richtig  und  zur  festgesetzten  Zeit?“  begann
Einhard  wieder.

„Ja.  Herr,  ich  war  über  die  Maßen  beglückt.  Und  sollte  mein
Werk  dem  Kaiser  gefallen  —  das  wäre  mein  letzter  Wunsch  auf
dieser  Welt.=Einhard

  drückte  ihm  die  Hand,  ging  in  den  kleinen  Saal
zurück  und  wandte  sich  zu  den  andern.

Die  Stirn  des  Glockenmeisters  war  tief  gerunzelt,  aus  seinen
Augen  blickte  Unmut  und  Angstlichkeit.  Er  lehnte  sich  in  die  Fensternische
  zurück  und  hielt  sich  mit  den  Händen.  —  Wären  die  nächsten
Stunden  vorüber!  Die  Glocke  hatte  wohl  einen  reinen  Ton,  doch
oben  im  Glockenstuhl  klang  sie  anders.  Er  hatte  ja  das  beste  Zinn
genommen  —  aber  die  zehntausend  Pfund  Silber  —  —

Erst  in  den  Glockenstühlen  lebten  die  Glocken.  Hier  unten
klang  nur  das  Erz  —  im  Turm,  in  blauer  Luft,  tönte  die  Glockenseele.
  Oh,  sie  wird  schon  läuten!  Das  Werk  ist  gut,  und  welch
einen  Fleiß  hat  man  darauf  verwendet!  —

Da  tat  sich  die  Tür  zum  Kaisersaal  auf.  Ein  Diener  kam
heraus  und  ging  nach  dem  Fenster  zu  dem  blassen  Mönche.  Die
Stimmen  im  Saale  schwiegen.  Der  Meister  winkte.  Draußen  eilten
die  Diener  an  den  Seiten  der  Domgebäude  vorbei  in  den  Turm.
Nur  einer  blieb  zurück,  seinem  Herrn  zu  Dienst.