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Das  Gemurmel  im  Volke  ließ  nach,  man  hatte  die  ellenden
Männer  gesehen.  Gespannt  horchte  man  —  die  Glocke  schwieg.
Panko  stand  unbeweglich  und  starrte  zum  Turm  hinauf.  Die  Minuten
  zogen  —  ringsum  die  Stille  —  kein  Klang  von  der  Höhe
hernieder  —  Singe,  Glocke  —  singe!  —

Der  Mönch  hielt  den  Atem  an.  —  Wenn  sie  jetzt  nicht  von
ihrem  Leben  kündet  —  —

Der  Kaiser  trat  in  den  Saal.  Groß  und  stattlich  war  er  wie
ein  Herr  der  Erde,  und  sein  Gesicht  schien  hell.  Die  Herren  neigten
  sich  tief.  Der  Kaiser  erkannte  den  Meister  und  winkte  ihm.
Der  wandte  sich  jäh:  „Die  Glocke  —  gütiger,  mächtiger  Kaiser  —
die  Glocke  —  —".  Sein  Atem  jagte.  „Ich  will  in  den  Turm!"
Dann  stürzte  er  fort.

Der  Kaiser  blickte  ihm  verwundert  nach  und  trat  ans  Fenster.

Der  Mönch  Panko  eilte  wie  ein  Verfolgter  die  Treppenstufen
des  Turmes  empor  und  sprang  in  die  Läutestube.  Da  standen  die
Knechte  und  zogen  am  Seil.

„Sie  will  nicht  sprechen,  Meister!“  rief  einer.  4

„Reißt,  reißt!“  schrie  der  Mönch,  lief  hinzu  und  zerrte  am  Strick.

Die  Glocke  tönte  —  zwei,  drei  harte  Schläge  —  schrill  und
wild.  —

„Sie  klingt!“  lachte  der  Meister.

Da  geschah  hochoben  im  Gebälk  ein  Dröhnen  und  Krachen.
Der  Klöppel  hatte  sich  gelöst  und  schlug  durch  die  Bretterböden,
schlug  durch  bis  in  die  Läutestube.  Die  Knechte  sprangen  auseinander
  —  aber  der  Meister  lag  zerschmettert.  —

Als  das  Geschrei  der  Knechte  ins  Volk  drang,  wogten  die
Stimmen  wild  hin  und  her.  Niemand  wußte,  was  geschehen  war.

Der  Kaiser  kam  mit  den  Fürsten  und  Geistlichen  herausgeschritten.
  Eine  kleine  Glocke  begann  fromm  und  andächtig  zu  läuten,
  und  das  Volk  kniete  nieder.  Kaiser  Karl  rief  einen  Knecht  des
Meisters  heran:  „Was  ist  geschehen?“

Der  verbeugte  sich  tief:  „Der  Meister  ist  vom  Glockenklöppel
erschlagen,  Herr."

„Weshalb  ist  er  erschlagen?"  fragte  der  Kaiser,  und  seine
Stimme  klang  wie  zum  Gericht.

„Oh,  mächtiger  Herr!"  stöhnte  der  Knecht  und  fiel  auf  die  Knie
nieder;  „der  Meister  hat  das  Silber  entwendet,  das  du  ihm  gabst."

Der  Kaiser  hob  den  Arm.  Seine  Stirn  war  finster.  —  Dann
schritt  er  zum  Portal  des  Domes.

Im  Innern  klang  die  Orgel.  Und  die  Knaben  sangen  mit
hellen  jungen  Stimmen  das  Loblied  Gottes.