Von  Stunde  zu  Stunde  gewartet'er
Mit  hoffender  Seele  der  Wiederehr


Ihm  konnte  den  mutigen.  Glauben
Der  Hohn  des  Tyrannen  nicht

rauben."  —

17.  „Und  ist  es  zu  spät,  und

kann  ich  ihm  nicht

Ein  Retter  willkommen  erscheinen,

So  soll  mich  der  Tod  ihm  vereinen!


Des  rühme  der  blut'ge  Tyrann
sich  nicht,

Daß  der  Freund  dem  Freunde  gebrochen
  die  Pflicht;

Er  schlachte  der  Opfer  zweie

Und  glaube  an  Liebe  und  Treuel“

18.  Und  die  Sonne  geht  unter
—  da  steht  er  am  Tor
Und  sieht  das  Krenz  schon  erhöhet,


Das  die  Menge  gaffend  umstehet;
An  dem  Seile  schon  zieht  man
den  Freund  empor,
Da  zertrennt  er  gewaltig  den
dichten  Chor.

117.  Der  Postillion.

Leblieh  war  die  Maiennacht,
Silberwölklein  flogen,
Ob  der  holden  Frühlings-Pracht

Freudig  hingezogen.

2.  Schlummernd  lagen  Wies’
1  und  Hein,

Jeder  Pfad  verlassen;
Niemand  als  der  Mondenschein
Wachte  auf  der  Stratßen.

137

„Mich,  Henker,“  ruft  er,
„erwürget!
Da  bin  ich,  für  den  er  gebürget!“

19.  Und  Erstaunen  ergreift  das
Volk  umher,
In  den  Armen  liegen  sich  beide
Und  weinen  vor  Schmerzen  und
Freude.
Da  sieht  man  kein  Auge  träneneer,


Und  zum  Könige  bringt  man  die
Wundermär;
Der  fühlt  ein  menschliches  Rühren,
Läßt  schnell  vor  den  Thron  sie
fübren  —

20.  Und  blicket  sie  lange  verwundert
  an.
Drauf  spricht  er:  „Es  ist  euch
gelungen,
Ihr  habt  das  Herz  mir  bezwungen;

Und  die  Treue,  sie  ist  doch  kein

leerer  Wahn!
So  nehmet  auch  mich  zum  Genossen
  an!
Ich  sei,  gewährt  mir  die  Bitte,
In  euerm  Bunde  der  Dritte.“

Von  Nikolaus  Lenau.

3.  Leise  nur  das  Lüftchen
sprach.

Und  es  zog  gelinder

Durch  das  stille  Schlasgemach

All  der  Frühlingskinder.

4.  Heimlich  nur  das  Bächlein
schlich,

Denn  der  Blüten  Träume

Dufteten  gar  wonniglich

Durch  die  stillen  Räume.