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Wenn  von  den  Gründen  gesprochen  wurde,  warum  wir  uns
in  der  Pflege  der  Schwestern  so  wohl  fühlten,  wurde  jedesmal  ihre
verständige,  ruhige  Behandlung  der  Kranken  gerühmt.  Es  stellte
sich  dabei  aber  auch  eine  innere  Verwandtschaft  heraus.  Jeder  von
uns  Soldaten,  der  in  ihre  Nähe  kam,  fühlte  etwas  Verwandtes  in
ihrem  Wesen.  Nicht  liegt  das  bloß  in  der  Unisorm,  die  sie  tragen,
und  auf  die  sie  so  stolz  sind  wie  wir  auf  die  unsere.  Wir  und  sie
dienen,  und  zwar  dienen  wir  beide  einen  harten  Dienst;  zur  Not
geht  es  ums  Leben.  Wir  und  sie  kämpfen  nieder,  was  wir  wollen,
und  tun,  was  wir  sollen.  Auch  darin  sind  sie  den  Soldaten  ähnlich,
  daß  sie  gerade  und  mutig  ihrer  Pflicht  nachgehen.  Der  Soldat
antwortet  auf  jede  Frage  eines  Vorgesetzten  kurz  und  bestimmt,  indem
  er  ihm  fest  ins  Auge  schaut.  Dasselbe  ist  die  Art  der  Rede  der
Schwestern.  Diese  legen  vielleicht  noch  mehr  als  die  Soldaten,  wenn
sie  die  Uniform  anziehen,  alle  übrigen  Unterschiede  ab;  sie  verlieren
Vorzüge  und  Vorteile  und  steigen  doch  nicht  herunter.  Ihr  Gang  ist
gelassen  und  leise  und  doch  schnell;  eine  geht  wie  dic  andere,  sie  sind
darauf  geübt  wie  wir  auf  das  Marschtempo.  Bevobachte,  wenn  eine
gerufen  wird:  sie  wendet  nicht  den  Kopf,  sondern  wendet  sich  mit  dem
ganzen  Körper  um;  es  sieht  dienstbereiter  aus.  Neben  dem  Arzt
steht  sie  unbeweglich  wie  auf  das  Kommando:  Achtung!  Und  was
sie  auch  sieht,  es  zuckt  keine  Wimper.  Sie  haben  alle  dieselbe  Art,
wenn  sie  den  Kranken  zu  trinken  geben;  sie  halten  ihnen  den  Kopf
mit  der  einen  Hand  von  rückwärts  und  neigen  mit  der  andern  leicht
den  Trinkbecher.  Wie  sanft  lassen  sie  dann  den  Kranken  wieder  auf
sein  Kissen  zurücksinken,  und  ehe  sie  weitergehen,  streichen  sie  seine
Decke  zurecht  und  sorgen,  daß  sie  ihn  gut  einhülle.  Eine  macht  es
wie  die  andere  aber  bloß  angelernt  ist  das  nicht.  Die  Schwestern
lernen  durch  Ubung  empfinden,  was  der  Kranke  braucht.  Wenn
ihn  das  Leiden  sprachlos  gemacht  hat,  oder  wenn  die  leiseste  Frage
ihn  aufregen  würde,  erraten  sie  seine  Wünsche,  als  wenn  sie  selbst
gerade  in  seiner  Lage  wären.

Die  lothringische  Schwester  mit  dem  faltigen  Gesicht  sagte:
„Es  gibt  abstoßende  Menschen,  in  die  man  sich  nicht  ganz  hineinversetzen
  kann,  die  man  aber  doch  verstehen  muß,  wenn  man  sie
recht  pflegen  will.  Auch  sie  haben  Menschen,  denen  sie  teuer  sind;
diese  werden  gerade  das  finden,  was  ich  nicht  finden  konnte,  und
indem  ich  sie  gleichsam  durch  die  Seele  ihrer  Liebe  betrachte,  finde
ich  oft  ein  Verständnis,  wo  ich  es  gar  nicht  erwartet  hätte.  Im
Dienst  der  Kranken  und  der  Elenden  springen  Quellen  inneren
Glücks,  von  denen  niemand  weiß,  der  solchen  Dienst  niemals  geleistet
  hat.  Davon  kommt  die  stille  Heiterkeit,  die  wie  der  Wider-