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schein  eines  verborgenen  Lichts  auf  den  Gesichtern  der  Schwestern
liegt.  Die  äußere  Heiterkeit,  die  ihr  bewundert,  fließt  aus  derselben
Tiefe.“  Zu  einem  Kameraden,  der  am  Typhus  gelitten  hatte,  sagte
eine  andere  Schwester  über  ihren  Dienst:  „Die  natürliche  Dienststätte
der  Töchter  ist  das  Elternhaus,  sie  können  nur  einen  viel  schwereren
  Dienst  antreten,  wenn  sie  dieses  verlassen;  denn  in  der  rechten
Dienstbarkeit  gibt  es  nur  ein  Aufsteigen  zu  den  größeren  Lasten.
Das  ist  freilich  auch  immer  ein  Fortschritt  zu  größerer  Zufriedenheit
und  zu  innerer  Klarheit.  Wenn  sich  das  Auge  der  weltlichen
Gewohnheit  entäußert  hat,  hat  die  Welt  keinen  Reiz  mehr  für  uns.
Ob  wir  Heimweh  hätten?  Welches  Heimweh  meinen  Sie?  Das
Heimweh,  das  zurückschaut,  oder  das  Heimweh  nach  dem  Frieden,
der  Ruhe  vor  uns?  Wir  schauen  vorwärts.“  —

Die  letzten  Gefechte  hatten  wieder  zahlreiche  Verwundele  gebracht.
  Zwanzig  von  uns  wurden  deshalb  auf  Leiterwagen  mit
Stroh  weiter  rückwärts  befördert.  Daß  wir  bei  fünfzehn  bis  zwanzig
Grad  unter  Null  erst  in  Luneville  haltmachen  würden,  wußten  wir
damals  nicht.  Dem  Lazarett  mit  den  Barmherzigen  Schwestern
sagte  ich  mit  einem  tiefen  Gefühl  der  Dankbarkeit  Lebewohl.  Meine
Erfahrungen  waren  hier  sehr  bereichert  worden.  Den  Krieg,  den
ich  bis  zu  meiner  Verwundung  wie  einen  abwechfslungsreichen  Spaziergang
  mitgemacht  hatte,  lernte  ich  hier  von  der  ernstesten  Seite
kennen.  Früher  hatte  mich  schon  der  Gedanke  an  eine  Operation
aus  einem  Krankenzimmer  vertreiben  können.  Hier  erfuhr  ich  nun
zum  erstenmal  den  Segen  der  Selbstaufopferung,  der  vielen  edeln
Menschen  das  Leben  erst  lebenswert  macht.  Nun  übertrug  sich  die
Kamerabschaft  mit  Gesunden  ganz  selbstverständlich  in  das  Gebot
tätiger  Teilnahme  an  den  Leiden  der  Kranken.  Ich  habe  mit  der
Zeit  meinen  Aufenthalt  und  meine  Tätigkeit  als  eine  Art  von
freiwilligem  Lazarettgehilfen  liebgewonnen.  Gewiß  ist  es  wichtig
für  einen  Mann,  daß  er  dem  Tode  ohne  Zittern  ins  Auge  geblickt
hat;  aber  eine  höhere  Art  von  Mut  ist  es,  tagtäglich  mit  dem
Tode  umzugehen  und  den  Sterbenden  durch  die  niedersten  Dienste
ein  mildes  Hinübergehen  zu  bereiten.

120.  Bismarch  als  Lebensretter.
Von  Sedor  von  Kôöppen.
De  erste  deutsche  Reichskanzler,  Fürst  Bismarck,  machte  im  Jahre
1842  als  Ceutnant  bei  den  Landwehrulanen  eine  Ubung  mit.  An
einem  Sommernachmittage  stand  er  mit  mehreren  Kameraden  zusam-