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3.  Schon  sind  die  Garben  festgebunden
Und  rasch  in  einen  Ring  gebracht;
Wie  lieblich  flohn  die  kurzen  Stunden!
Es  war  ein  Spiel  in  kühler  Nacht.
Nun  wird  geschwärmt  und  hell  gesungen
Im  Garbenkreis,  bis  Morgenduft
Die  nimmermüden  braunen  Jungen
Zur  eignen  schweren  Arbeit  ruft.

122.  Eine  Träne.

Ein  Schreinermeister  erhielt  durch  Empfehlung  die  Arbeit  in  einem
angesehenen  Kaufmannshause.  Der  Kaufmann  bestellte  zur  Aussteuer
  seiner  Tochter  für  mehrere  tausend  Mark  schöne  Möbel  bei
ihm.  Der  Schreinermeister  eilte  hoch  erfreut  nach  Hause  und  erzählte
  seiner  Frau  das  unerwartete  Glück.  Als  die  erste  Freude
vorüber  war,  kam  der  hinkende  Bote  nach,  und  die  Frau  stellte  die
Frage:  „Wo  nun  die  bedeutende  Auslage  hernehmen?"  Den  neuen
Kunden  um  Vorschuß  bitten,  das  ging  nicht.  Reiche  Freunde  hatte
der  arme  Handwerksmann  nicht,  und  an  zuverlässige  Hilfsquellen
dachte  er  zu  seinem  Schaden  nicht.  Er  nahm  also  eine  Summe  gegen
einen  Wechsel  auf  drei  Monate.  Fleißig  arbeitete  der  Schreinermeister,
  und  bald  standen  zwei  Dutzend  der  herrlichsten  Stühle  und
ein  schöner  Schrank  zum  Lobe  des  glücklichen  Meisters  fertig  da.

In  seinem  Sonntagsrocke  ging  unser  Schreinermeister  neben
den  Trägern  her,  und  hoch  pochte  ihm  das  Herz  vor  Freude,
wenn  Vorübergehende  die  schöne  Arbeit  lobten.  Als  unser  Meister
im  Hause  des  reichen  Kaufmanns  ankam,  lächelte  der  Hausherr
beifällig  und  zufrieden:  „Sie  sollen  in  Zukunft  mein  Schreiner  sein;
denn  die  Sachen  sind  lobenswert;  lassen  Sie  nur  alles  behutsam  niedersetzen.
  Gott  besohlen!“  —  „Meister,“  sprachen  die  Gesellen  unterwegs,
  „der  Herr  schien  ganz  zufrieden;  da  haben  Sie  einen  guten
Kunden  erhalten.“  „Jawohl,  Leute,  das  hab'  ich,  und  ich  bin  auch
hoch  erfreut  darüber.“  Doch  auf  dem  Gesichte  des  guten  Handwerksmannes
  war  eben  keine  Freude  zu  sehen;  denn  er  dachte  daran,
  daß  die  drei  Monate  in  acht  Tagen  verflossen  waren,  und
der  reiche  Kaufmann  hatte  vom  Bezahlen  keine  Silbe  gesagt.  Wie
sollte  das  nun  werden?  Traurig  saßen  die  beiden  Eheleute  zusammen.
  Da  sprach  die  Frau:  „Auf,  lieber  Mann,  faß  ein  Herz,  geh
zu  unserm  neuen  Kunden  und  bitte  ihn  um  Bezahlung!  Er  wird
doch  nicht  herzlos  sein.“