—  144  —

Der  Meister  ließ  sich  bereden.  Schwer  schlug  ihm  das  Herz;
krampfhaft  drückte  er  die  Krempe  seines  Hutes  zusammen,  als
er  nun  die  Tür  des  Kontors  geöffnet  und  vor  sich  rechts  und
links  an  hohen  Pulten  ein  Dutzend  emsig  arbeitender  Kommis  gewahrte.
  Er  bot  ihnen  laut  einen  Guten  Tag.  Keiner  antwortete
ihm.  Er  wiederholte  nach  einer  Pause  die  Begrüßung,  und  mit
einem  scharfen  Blick  ihn  messend,  fragte  der  Nächstsitzende:  „Was
wollen  Sie?“  „Bitte  untertänigst,  ich  möchte  gern  den  Herrn
sprechen.“  „Dort!“  war  die  Weisung.  Langsam  und  schwer  schritt
der  Meister  durch  den  Saal;  es  war  ihm,  als  wenn  Blei  in  seinen
Füßen  läge.  Da  saß  der  Kaufmann,  die  Stirne  nachdenkend  in  die
Hand  gestützt,  als  der  Meister,  gegen  die  offene  Tür  des  Gitters
rennend,  den  Tiefsinnigen  plöblich  aus  seinen  Gedanken  riß.  „Was
wollen  Sie?“  Doch  da  war  an  keine  Antwort  zu  denken.  Alle  von
seiner  klugen  Frau  ihm  eingeprägten  schönen  Worte  waren  dahin.
Er  war  wie  versteinert.  „Nun,  was  wollen  Sie  denn?“  fragte  der
Herr  den  Sprachlosen  und  erkannte  ihn  nicht  wieder.  „Verzeihen
Sie,  mein  Herr,  ich  war,  ich  bin,  ich  komme  —  der  Schreinermeister,
  der  die  große  Ehre  hatte,  für  Sie  zu  arbeiten.“  —  „So,
so,  und?  Ich  habe  jetzt  nichts  zu  bestellen.  Sie  brauchen  sich
nicht  zu  bemühen;  ich  werde  schon  anschicken.“  „Ach,“  fing  der
zerschmetterte  Handwerksmann  an,  „ich  möchte  Sie  wohl  bitten
um  den  Betrag  des  Gelieferten.  Ich  habe  kein  Vermögen  und
habe  das  Geld  zum  Ankaufe  des  Holzes  für  die  neuen  Möbel
leihen  müssen,  und“  —  Verdrießlich  und  mürrisch  versetzte  der
Kaufmann:  „Ich  bezahle  nur  halbjährlich;  auf  andere  Termine
können  wir  uns  nicht  einlassen,  das  macht  uns  zuviel  Umstände.
Sie  müssen  keine  Arbeit  annehmen,  wenn  Sie  nicht  so  lange  warten
können  auf  die  Bezahlung.“  Damit  winkte  er  einem  zunächst  sitzenden
  jungen  Manne,  daß  dem  Meister  die  Summe  ausgezahlt  werde.

Stumm  nahm  der  Meister  das  Geld  in  Empfang,  und
eine  Träne  fiel  auf  die  Quittung.  Der  Kaufmann  bemerkte  sie.
Stumm  und  niedergebeugt  verneigte  sich  der  Meister  und  ging.
Als  er  die  Hälfte  des  Zimmers  durchschritten  hatte,  rief  ihn  der
Kaufmann  zurück:  „Hören  Sie  einmal,  Meister.  Von  den  Stühlen
können  Sie  mir  noch  ein  Dutzend  liefern,  und  ich  habe  auch  in  der
nächsten  Woche  mehreres.  Doch  damit  Sie  mir  in  Zukunft  nicht
alle  Augenblicke  beschwerlich  werden,  will  ich  Ihnen  Vorschuß  geben.“
„Zahlen  Sie  dem  Manne  noch  500  Mark!“  sprach  er  zum  Kassierer
und  blickte  aufs  Papier.

Sprachlos  stand  der  Meister  da,  im  Innersten  erschüttert;  doch
jetzt  ging  er  rasch  auf  den  Kaufmann  zu,  ergriff  dessen  Hand  und