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129.  General  und  Meldereiter.

Gret  Haeseler,  der  strenge  und  doch  so  beliebte  Feldmarschall,  war
stets  darauf  bedacht,  die  jungen  Soldaten  zu  denkenden  Menschen
  zu  erziehen.  Sie  sollten  mit  Überlegung  die  Befehle  ausführen
und  nicht  nur  mechanisch  dem  toten  Buchstaben  nach.

Eines  Tages  sagte  der  Kommandierende  zu  einem  Dragoner:
„Reiten  Sie  nach  jener  höhe  dort,  wo  der  Baum  steht,  und  kommen
Sie  dann  hierher  zurücht“  Einen  Zugenblich  zauderte  der  Mann,
denn  er  war  sonst  gewohnt,  einen  bestimmten  Kuftrag  zu  erhalten.
„Bekomme  ich  keinen  Ruftrag,  Exzellenz?"  fragte  er  schließlich.  „Tun
Sie,  was  ich  Ihnen  gesagt  habe!“  war  die  hurze  Antwort.  Nach
etwa  zwanzig  Minuten  kehrte  der  Mann  zurüch.  „Sind  Sie  auf  der
höhe  gewesen?“  „Zu  Befehl,  Exzellenz!“  „Was  für  ein  Baum  steht
dort?“  „Das  weiß  ich  nicht,  Exzellenz"“  Die  Stirne  des  Mommandierenden
  furchte  sich.  Mehr  mißmutig  als  ärgerlich  sagte  er:  „Ich
hatte  Ihnen  absichtlich  heinen  besondern  Kuftrag  gegeben.  Wenn  ich
sage:  Reiten  Sie  nach  dem  Bauml  so  üt  es  selbstoerständlich,  daß
man  sich  den  Baum  auch  genau  ansieht.“  Der  Reitersmann  aber  zog
schnell  einen  3welg  aus  dem  Stiefelschaft  und  sagte:  „Da  ich  den
Baum  nicht  hannte,  habe  ich  dieses  mitgebracht,  Exzellenz!“

„Famos,  mein  Sohn,  es  ist  ein  Birnbaum!“  sagte  der  Feldmarschall
  und  gab  dem  überraschten  und  erfreuten  Meldereiter  einen
Taler.

130.  Der  Weichensteller.  Von  Karl  von  Berlepsch.

Ur  nun  noch  der  Schnellzug  nach  Charleroi!
In  fünf  Minuten  schon  ist  er  dal  —

Er  trottet  hinaus  zum  äußersten  End’,

Die  letzte  Weiche  zu  stellen  behend.

Im  Schnee  seine  Tritte  knarren,

Die  Nacht  ist  kalt  zum  Erstarren.

2.  Bald  lädt  bei  traulichem  Lampenschein
Die  warme  Stube  den  Müden  ein,
Und  ein  Kuß  vergilt  ihm  des  Tages  Qual,
Ein  liebendes  Weib  und  ein  einfach  Mahl:
Dann  werden  am  Bettchen  sie  stehen
Und  das  Bübchen  schlummern  sehen.  —

3.  Hei,  wie  der  Ostwind  eisig  pfeift,
Wie's  tief  durchs  wollene  Wams  ihm  greift!