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bei  fünf  oder  sechs  Kinder  großgezogen  hatte.  So  fragte  ich  denn
weiter,  und  mein  Lüning  gab  mir  gern  Bescheid.

„Seht,  Herr  Doktor,"  sagte  er,  „eigentlich  hab'  ich's  einem
Vetter  von  mir  zu  danken.  Als  ich  meine  Frau  nahm,  hatte  ich
nichts  und  sie  nur  gerade  so  viel,  daß  wir  uns  einrichten  und  ohne
Schulden  anfangen  konnten.  Aber  als  das  erste  Jahr  um  war  und
Maitag  herankam,  war  es  uns  nicht  mehr  so  gut,  denn  mir  fehlten
zwei  Taler  an  der  Halbjahrsmiete.  Nun  wäre  mein  Mietsherr
wohl  nicht  gleich  zum  Gericht  gelaufen  wegen  der  zwei  Taler,  aber
ich  schämte  mich  vor  ihm,  und  dann  ist's  auch  so  eine  eigene  Sache
mit  der  Miete  bei  uns  kleinen  Leuten.  Wer  seine  Miete  nicht  auf
den  Tag  zahlt,  mit  dessen  Kredit  wird  es  schwach,  und  er  hat  seine
Last,  daß  er  eine  ordentliche  Wohnung  behält  oder  wieder  bekommt.


Nun  hatte  ich  einen  Better  in  der  Stadt,  der  war  Gerichtsschreiber
  und  wohnte  in  der  Mühlenstraße.  Mit  dem  hatte  ich  mich
allzeit  gut  gestanden,  aber  gebeten  hatte  ich  ihn  noch  nie  um  etwas.
Der  tut's,  dachte  ich,  ging  hin  und  trug  ihm  meine  Verlegenheit
vor,  und  ich  kann  Ihnen  sagen,  Herr  Doktor,  leicht  wurde  mir's
nicht,  obwohl  wir  alte  Bekannte  waren  und  Du  zueinander  sagten.

Der  Vetter  guckte  mich  verwundert  an  und  fragte:  Ist  euch
ein  Schwein  gefallen?  Habt  ihr  sonst  Unglück  gehabt?  Krank
seid  ihr  doch  auch  nicht  gewesen?“  Ich  sagte  nichts,  dachte  aber:
Zu  dem  gehst  du  nicht  wieder.  Der  Vetter  aber  zag  zwei  Taler
heraus,  legte  sie  auf  den  Tisch  und  sprach:  „Da  hast  du  das  Geld,
weil  es  das  erstemal  ist,  und  dann  freut's  mich  auch,  daß  du
lieber  zu  mir  gekommen  als  deinem  Hausherrn  etwas  schuldig  geblieben
  bist.  Aber,  Heinrich“  fuhr  er  fort,  „du  konntest  ja  in  der
Schule  gut  rechnen;  kannst  du  mir  wohl  sagen,  wieviel  Geld  du
nach  einem  Jahre  hast,  wenn  du  täglich  3  Groschen  zurücklegst?“
Mich  verdroß  das,  denn  ich  fühlte  die  Spitzen  wohl  heraus,  und
dann  hatte  ich  auch  wirktich  gut  rechnen  gelernt,  und  das  Exenipel
war  mir  zu  leicht.  Ich  antwortete  also:  „Das  ist  ja  ein  Exempel
für  ein  Kind;  ein  jedes  Kind  weiß,  daß  täglich  ein  Groschen  im
Jahre  12  Taler  macht  und  5  Groschen  überher;  3  Groschen  täglich
macht  also  36  Taler  und  15  Groschen.“  Nichtig,  sagte  mein
Vetter,  und  ist  es  nicht  schon  ein  hübsches  Sümmchen:  36  Taler
und  einen  halben  Taler?  Aber  du  hast  recht,  so  wissen's  die
Kinder;  kluge  Leute  rechnen  noch  wohl  eine  Kleinigkeit  mehr  heraus.
Es  kommt  nur  darauf  an,  wo  du  das  Geld  verwahrst.“  Das  verstand
  ich  nicht  und  sagte:  36  Taler  sind  36  Taler,  mögen  sie  in
der  Kommode  liegen  oder  im  Eckschrank.“  Mein  Vetter  lachte  und