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nun  ist's  genug,  Heinrich,  ich  muß  aufs  Gericht,  und  wenn  du
kannst,  bring  mir  die  2  Taler  bald  wieder,  sie  können  mir  im
Jahre  mindestens  2  Groschen  verdienen.“

Der  nimmt's  genau,  dachte  ich  und  ging  meiner  Wege  in  die
Fabrik,  wo  ich  einen  Vierteltag  hatte  ausscheiden  müssen.  In  der
Fabrik  gab's  genug  zu  tun,  und  ich  konnte  nicht  viel  an  meinen
Vetter  denken.  Als  es  aber  Abend  war,  ging  ich  nicht  durchs
Hörster  Tor,  wie  ich  sonst  tat,  sondern  über  das  Neubrückentor  und
über  den  Neuen  Weg,  und  das  tat  ich,  weil  ich  nicht  an  dem  Wirtshause
  vorbei,  oder  richtiger,  weil  ich  nicht  hinein  wollte;  so  sparte
ich  die  zwei  Groschen,  die  ich  abends  für  Schnaps  auszugeben  pflegte.
Das  war  nämlich  die  Mode  damals,  und  viel  anders  ist's  leider
auch  noch  nicht,  daß  wir  Arbeiter,  wenn  wir  aus  den  Fabriken
kamen,  erst  in  die  Schenken  gingen  und  ein  paar  Glas  Branntwein
tranken  und  miteinander  schwatzten,  und  viele  blieben  auch  länger
sitzen  und  torkelten  dann  zuletzt  betrunken  nach  Hause.  Ich  hatte
das  vor  meiner  Verheiratung  angefangen  und  war  auch  nachher
dabei  geblieben.  Meiner  Frau  war's  nicht  recht,  das  merkte  ich
wohl,  aber  gesagt  hatte  sie  mir  noch  nie  etwas,  und  so  war  ich  denn
ein  beständiger  Abendgast  in  der  Wirtschaft  nach  wie  vor,  und  bies
war  das  erstemal,  daß  ich  wegblieb.  Es  waren  wohl  schon  meines
Vetters  Worte,  die  mich  den  Umweg  machen  ließen,  ich  hatte  aber
noch  nicht  den  Mut,  es  meinen  Kameraden  geradeheraus  zu  sagen,
daß  ich  diesmal  keinen  Schnaps  trinken  wollte.  Ist  seitdem  anders
geworden.

Unterwegs  ging  mir  das  Gespräch  wieder  und  wieder  durch
den  Kopf,  und  als  ich  an  die  Stelle  kam,  wo  der  Weg  den  Knick
macht,  da,  wo  jetzt  Hoyers  Fabrik  steht,  da  ging  ich  absichtlich  nicht
geradeaus,  sondern  machte  abermals  den  Umweg,  um  erst  mit  meinen
  Gedanken  fertig  zu  werden.  Meine  Frau  glaubte  ja  doch,  daß
ich  im  Wirtshaus  säße,  ich  kam  also  immer  noch  früh  genug.  13
Groschen  ist  nicht  viel,  aber  doch  mehr  als  ein  halber  Tagelohn,
sagte  ich  mir.  Ich  bekam  damals  nämlich  nur  24  Groschen.  Auch
dachte  ich,  dem  Vetter  darfst  du  um  zwei  Taler  nicht  wieder  kommen,
  aber  dem  Hausherrn  auch  nicht:  du  mußt  nächstes  Mal  die
Miete  beieinander  haben.  Wenn  du  das  Wirtshaus  ausläßt,  dann
geht  es  sicher,  sagte  ich  mir.  Ja,  aber  was  werden  deine  Kameraden
  sagen,  was  werden  sie  spotten  und  höhnen!  Ei  was,  sagte
ich  endlich,  mögen  sie  reden  und  lachen,  das  geht  auch  vorüber.
Damit  trat  ich  ins  Haus.

Meiner  Frau  kam  ich  doch  zu  früh;  sie  hatte  das  Abendbrot
noch  nicht  fertig.  „Anna,  sagte  ich,  „morgen  mußt  du  das  Essen