—  160  —

bald  24  Groschen  und  auch  wohl  mal  36,  was  wir  in  der  Woche  zurücklegten.
  Der  Garten  brachte  uns  auch  mehr  als  das  erste  Jahr.
Die  Zeit  über,  die  ich  sonst  im  Wirtshause  gesessen  hatte,  konnte  ich
nun  meiner  Frau  beim  Graben  oder  Jäten  helfen,  oder  was  sonst
zu  tun  war,  und  unsere  Früchte  gediehen  noch  einmal  so  gut.  Es
läßt  sich  mehr  machen  aus  einem  Garten,  als  man  denkt,  man  muß
nur  aufpassen  und  die  Arbeit  nicht  scheuen  in  den  Freistunden.
Und  als  wir  gegen  Weihnachten  die  Schweine  schlachteten,  machten
wir  10  Taler  bar  Geld  daraus.  Ich  weiß  selbst  nicht  recht,  wo  wir
früher  das  Geld  gelassen  hatten,  aber  das  weiß  ich,  daß  wir  Neujahr
  richtig  unsere  24  Taler  in  der  Kasse  hatten.  Das  haben  wir
so  fortgesetzt,  und  nach  5  Jahren  hatten  wir  eine  Kuh  im  Stalle
und  120  Taler  im  Buche.  Doch  nein,  Bücher  gab's  damals  noch
nicht,  es  waren  lauter  einzelne  Scheine;  das  ist  auch  eine  Verbesserung
  mit  den  Büchern.  Als  ich  die  120  Taler  voll  hatte,  wußte
mir  mein  Vetter  eine  gute  Hypothek  dafür  zu  verschaffen,  das  gab
dann  4  Prozent  des  Jahres.  So  ging  das  weiter  und  immer
besser  und  schneller.

Und  jetzt?  Ja,  Herr  Doktor,  jetzt  stecken  wir  wieder  in  Schulden,
  und  es  sind  nicht  2  Taler  wie  nach  dem  ersten  Jahr,  sondern
200  Taler,  und  ich  bin  guter  Dinge  dabei.  Denn  dafür  haben  wir
auch  unser  eigenes  Häuschen  und  gute  10  Scheffel  Saat  dabei,
brauchen  keine  Miete  zu  zahlen,  sondern  nehmen  im  Gegenteil  so
viel  Miete  ein,  daß  wir  Zinsen  und  Abgaben  und  Reparaturen  davon
  leisten  können.  Und  kein  Mietsherr  kann  mir  den  Stuhl  vor
die  Tür  setzen  oder  die  Miete  steigern,  und  wer  mit  mir  im  Hause
wohnen  soll,  das  habe  ich  selbst  zu  bestimmen.  Ja,  Herr  Doktor,
es  ist  ein  schönes  Ding,  auf  seinem  Eigenen  zu  wohnen.  Und  die
200  Taler  werde  ich  auch  los,  wenn  der  liebe  Gott  uns  noch  einige
Jahre  leben  und  gesund  sein  läßt;  58  Taler  habe  ich  schon  wieder
im  Buche.“

So  weit  ber  alte  Lüning,  und  soviel  ich  als  Doktor  beurteilen
kann,  wird  ihm  der  liebe  Gott  die  Zeit  noch  wohl  lassen,  seine
Schulden  abzutragen.

133.  Wie  die  Nähmaschine  erfunden  wurde.
Von  Wilhelm  Kaulen.

Vier  Nationen  sind  an  der  Erfindung  der  nützlichen  Nähmaschine
beteiligt.  Der  erste  Erfinder  war  ein  Deutscher.  Uber  hundert
Jahre  reicht  bei  unserm  Landsmanne  der  Gedanke  einer  Vervollkommnung
  der  Nähnadel  zurück,  und  wir  wissen  von  ihm  nicht  viel