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Und  wer  arbeitet'  mit  der  Hand,

70  Dem  verböt'  man  das  Schlaraffenland:
Denn  der  träg  ist  und  nichts  will  lern'’n,
Der  Kommt  im  Land  zu  großen  Ehr'n,

Und  wer  der  Faulste  wird  erkannt,
Derselbe  ist  König  im  Land.
75  Wer  wüst,  wild  und  unsinnig  ist,
Grob,  unverständig  zu  aller  Frist,  ,
Aus  dem  macht  man  im  Land  einen  Fürsten;
Wer  gerne  sicht  mit  Leberwürsten,
Aus  dem  ein  Nitter  wird  gemacht;

80  Und  wer  auf  gar  nichts  weiter  acht't

Als  auf  Essen,  Trinken  und  Schlafen,
Aus  dem  macht  man  im  Land  ein'n  Grafen.
Wer  also  lebt  wie  obgenannt,
Der  ist  gut  im  Schlaraffenland,
85  In  einem  andern  aber  nicht.
Drum  ist  ein  Spiegel  dies  Gedicht,
Darin  du  sehest  dein  Angesicht.

136.  Verrechnet.  Von  Bertold  Auerbach.

An  der  alten  Rheinbrücke  in  Cöln  sab  vor  Jahren  ein  Greis
von  erbarmungswürdigem  Ausschen.  Neben  dem  ersten
Laternenpfahl  war  er  jahraus,  jahrein  zu  finden,  so  sicher  wie
der  Laternenpfahl  selbst.  Er  bettelte  nicht  mit  Worten;  aber
sein  ganzes  Aussehen  bettelte,  und  dabei  nickte  er  den  Vorübergehenden
  zu  und  zwinkerte  mit  den  Augen,  als  ob  er
ihnen  sein  Elend  nur  im  geheimen  andeuten  wollte.

Nun  kamen  einst  zwei  fröhliche  Gesellen  von  Deutʒ  aus
einer  Gastwirtschaft  herüber,  wo  sie  sich  gütlichgetan  hatten.
  Ihre  Fröhlichkeit  machte  sie  auch  freigebig.  Sie  hielten
bei  dem  Alten  an  und  spendeten  ihm  eine  Gabe;  darauf  sagte
der  Alte  mit  wehmütiger  Miene:  „Ich  wünsche  Ihnen,  daß  Sie
sich  nicht  auch  verrechnen  wie  ich."  —  „Wie  meint  Ihr  das?“
fragten  sie.  —  „Ja,  sagte  der  Alte,  „ich  habe  auch  einmal
gute  Tage  gesehen  und  habe  sorglos  draufgehen  lassen.  Ich
habe  nicht  gedacht,  daß  ich  so  alt  werden  könnte;  ich  gehe
jetzt  ins  vierundachtzigste  Jahr  hinein.  ch  habe  mich  verrechnet,
  und,  wie  gesagt,  ich  wünsche  Ihnen,  daß  Sie  sich  nicht
auch  verrechnen  mögen.“