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143.  Zwei  Räuber  aus  der  Vogelwelt.
Von  Heinrich  Schacht.

Aus  der  Familie  der  Falkkten  werden  die  beiden  Hauptvertreter,
  der  Habicht  und  der  Sperber,  leider  noch  zu  häufig
in  unserer  Gegend  getroffen.

Der  Habicht,  der  an  Leibesgewandtheit  von  keinem  biesigen
  Raubvogel  übertroffen  wird,  ist  der  wahre  Räuberhauptmann
  in  der  ganzen  Räuberbande.  Mit  einer  Frechheit  und
Unverschämtheit,  die  ihresgleichen  sucht,  stürzt  sich  der  Verwegene
  gewöhnlich  aus  einem  Hinterhalt  auf  sein  unglückliches
  Opfer,  schlägt  ihm  die  nadelspitzen  Krallen  in  den  Leib.
und  tötet  es  nach  wenigen  Sekunden.  Alle  Vierfüßer  von  der
Maus  an  bis  zum  Hasen,  alle  Vögel  vom  Zaunkönig  bis  zum
Auerhahn  sind  in  seinem  Jagdregister  verzeichnet.  Ich  kann
von  ihm  ein  böses  Lied  singen,  denn  er  hat  im  Laufe  eines
Jahres  meinen  schönsten  Taubenflug  vernichtet  und  mich  um
achtzehn  wertvolle  Tauben  gebracht,  ohne  daß  es  mir  gelungen
wäre,  ihm  seine  Missetat  zu  vergelten.

Tauben,  wilde  und  zahme,  bleiben  immer  des  Iabichts
Lieblingswild.  Vor  einiger  Zeit  stieß  nicht  weit  von  meiner
Wohnung  ein  Habicht  auf  einen  mächtigen  Haushahn.  Der  arme
Gockel,  der  sich  eben  noch  aufrecht  halten  konnte,  stürmte  mit
seinem  Reiter  spornstreichs  zur  Haustür  hinein,  worauf  es
dieser  geraten  hbielt,  sich  davonzumachen.  Einmal  sah  ich  den
Habicht,  wie  er  eben  eine  Rabenkrähe  verzehrte,  und  einmal
s  ogar,  wie  er  ein  Käuzchen  zerpflückte.  Daß  ein  solcher  Räuber,
der  imstande  ist,  ein  ganzes  Waldrevier  in  kurzer  Zeit  zu  veröden,
  keine  Schonung  verdient,  versteht  sich  von  selbst.  Leider
weiß  er  vermöge  seiner  Schlauheit  und  Vorsicht  die  Nachstellungen
  geschidet  zu  vereiteln.  Nur  beim  Horste,  wo  er  dem
Störenfricde  tolllühn  um  den  Kopf  stürmt  —  wohnt  doch  auch
in  seinem  Räuberherzen  eine  glühende  Liebe  für  seine  Brut  —,
gelingt  es  mandmal,  ihn  zu  erlegen.  Die  erbittertsten  Feinde
des  Habichts  sind  und  bleiben  unsere  Rabenkrähen,  die  mit
fürchterlichem  Geschrei  auf  ihn  einstürmen  und  sich  nicht  eher
Zzufriedengeben,  als  bis  er  das  Feid  geräumt  hat.

Wir  kommen  jetzt  zum  Sperber,  dem  kleineren  Vetter
des  Habichts.  Wenn  der  Habicht  hauptsächlich  den  Tauben  und
Hühnern  nachstellt,  so  ist  der  Sperber  der  geschworene  Feind
all  unserer  lieben  Singvögel,  vom  Goldhähnchen  an  bis  zur
Schwarzamsel.  An  Kühnhbeit,  Frechheit  und  Verwegenheit  ist