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zieht  sich  somit  in  eigentlichster  Bedeutung  des  Wortes  selbst  das  Fell
über  die  Ohren.

Wenn  die  Dämmerung  sich  auf  Wald  und  Heide  senkt  und  die
Tiere  ihre  Schlafstätten  aufsuchen,  beginnt  die  Kreuzotter  ihre  Jagd.
Am  lebsten  frißt  sie  Mäuse.  Selbst  in  Gefangenschaft,  wo  sie  sonst
nichts  fressen  will,  beginnen  ihre  Blicke  vor  wilder  Mordgier  zu  funkeln,
  sobald  sie  eine  Maus  erschauen.  Das  Derschlingen  der  Beute
ist  ein  widerwärtiger  Anblick.  Die  Schlange  faßt  das  getötete  Tier
an  der  Uopfspitze  und  läßt  dann  eine  reichliche  Menge  Speichel  aus
dem  KRachen  fließen.  Der  hals,  der  kaum  fingerdick  ist,  vermag
sich  so  weit  zu  dehnen,  daß  selbst  Tiere  von  der  doppelten  Dicke  der
Schlange  hindurchsehen.  Wenn  die  Schlange  gesältigt  ist,  liegt  sie
träge  in  irgendeiner  dunkeln  Höhle  und  pflegt  der  Derdauung.  Durch
die  Dertilgung  vieler  Mäuse  bringt  die  Kreuzotter  allerdings  einigen
Mutzen,  aber  ihr  gefährliches  Gift  macht  sie  zu  einem  sehr  schädlichen
  Tiere.

Der  Giftstoff,  eine  gelbliche,  wasserhelle  Flüssigkeit,  wird  in  zwei
Drüsen  bereitel,  die  hinter  den  Augen  liegen.  Don  dort  führt  je  ein
Röhrchen  zu  dem  Giftzahn.  Die  beiden  Giftzähne  sind  dünn  und
hohl,  dabei  spitz  wie  Glassplitter.  Sie  werden  beim  Beißen  auf.
gerichtet  und  in  der  Ruhe  in  eine  Haulfalle  zurückgelegt.  Das  ausströmende
  Gift  wirkt  auf  kleine  warmblütige  Tiere  unbedingt  und
in  kurzer  Seit  tödlich.  Auch  für  den  enschen  hat  ein  Kreuzotterbiß
  oft  die  traurigste  Wirkung.

In  dem  Augenblick,  da  jemand  von  einer  Kreuzotter  gebissen
wird,  fühlt  er  einen  heftigen  Schmerz,  der  wie  ein  elektrischer  Schlag
durch  den  Uörper  fährt.  In  vielen  Fällen  erzeugt  der  Biß  jedoch  nur
ein  Gefühl,  als  wenn  die  Körperstelle  durch  einen  Dorn  geritzt
worden  sei.  Die  Wunden  sehen  aus  wie  zwei  dicht  beieinanderste.
bende  Madelstiche  und  bluten  oft  nicht  einmal.  Unmiltelbar  nach  dem
Bisse  stellt  sich  heftige  Ermüdung  des  ganzen  Körpers  ein;  der  Gebissene
  wird  schwindlig  und  bekommt  häufig  Ohnmachten.  Das  Gesicht
  wird  totenblaß  und  der  Uörper  feuchtkalt  wie  eine  Leiche.  Aus
Mund,  Nase  und  Ohren  tritt  öfters  schwarzes  Blut,  und  die  Augen
starren  dumpf  und  wild  ins  Leere.  Gebissene  Menschen  jammern
zum  Erbarmen.  Weun  endlich  das  Ende  kommt,  scheint  Bewußtlosigkeit
  einzutreten,  und  es  erfolgt  in  der  Regel  ein  schmerzloser  Tod.
Dieser  kann  schon  nach  zwanzig  Minuten  eintreten,  wenn  aber  das  Gist
in  eine  hauptblutader  gelangt  ist,  stird:  der  Gebissene  fast  plötzlich.

Je  größer  und  kräftiger  die  Schlange,  je  heißer  das  Wetter,
je  wütender  und  giftreicher  das  Tier  ist,  um  so  fürchterlicher  und
jäher  sind  die  Wirkungen  des  Giftes.  Selbst  im  günstigsten  Falle