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auf  den  weitausgedehnten,  von  seichtem  Wasser  bedeckten  Sandbänken
zu  laichen.  In  den  Tiefen  würde  der  Heringslaich  wegen  seiner
Schwere  in  den  Seeschlamm  geraten  und  dann  aus  Mangel  an
Sauerstoff  zugrunde  gehen.  Nach  mehreren  Monaten  geht  die  Wanderung
  zurück  in  die  geschützten  Tiefen  des  Ozeans,  die  sichere
Winterquartiere  bieten;  dort  sind  sie  vor  Sturm  und  Kälte  geborgen.

Sind  die  Fischer  auf  den  Fischgründen  angelangt,  so  geht  es
an  das  Aussetzen  der  Neße,  und  zwar  immer  gegen  Abend.  Der
Fang  geschieht  regelmäßig  des  Nachts,  damit  der  Tag  zur  Verarbeitung
  des  Fanges  freibleibt.  70  bis  120  Netze  in  einer  Gesamtlänge
  von  2  bis  3  km  und  einer  Breite  von  16  m  machen  die  ganze
Netfleet  eines  Loggers  aus,  die  wohl  einen  Wert  von  10  000  bis
15  000  Mark  hat.  Bleikugeln  ziehen  die  Fleet  auf  eine  Tiefe  von
Zum,  und  oben  wird  sie  durch  Korkstücke  und  Schwimmbojen  getragen.
  So  steht  sie  wie  eine  Wand  senkrecht  im  Wasser.  Selbst
bei  günstigstem  Wetter  hat  die  Mannschaft  stundenlang  angestrengt
zu  tun,  bis  es  freudig  heißt:  „Het  want  staat  uit.“  (Die  Wand
steht  aus.)

Gegen  die  ausstehende  Netzwand  stoßen  nun  die  Heringsschwärme
  an.  Gewaltige  Massen  drängen  nach,  Millionen  gehen
über  die  Netze  hinweg,  Millionen  unter  der  Fleet  hindurch;  aber
Tausende,  die  versuchten,  durch  die  Maschen  hindurchzuschlüpfen,  bleiben
  mit  den  Kiemendeckeln  hangen.  Für  die  gibt  es  kein  Vorwärts
noch  Rückwärts,  sie  sind  gefangen.  Ein  Schiff  kann  in  einer  einzigen
Nacht  wohl  100  000  Stück  erbeuten,  doch  für  gewöhnlich  muß  es
sich  mit  10  000  bis  20  000  begnügen.

Das  Wiedereinnehmen  der  Fleet  erfolgt  morgens  in  aller
Frühe.  Die  Fleetreep,  ein  armdickes  Tau,  das  über  sämtliche  Netze
hinwegläuft  und  sie  miteinander  und  mit  dem  Schifse  verbindet,
wird  durch  das  Spill,  eine  an  Bord  befindliche  Dampfwinde,  aufgezogen.
  Nach  und  nach  werden  die  einzelnen  Netze  abgeknöpft
und  seitlich  eingenommen.  Bereitgehaltene  Krippen  nehmen  die  gefangenen
  Fische  auf.  Alsbald  beginnt  die  Bearbeitung  des  Fanges.
Die  noch  lebenden  Fische  werden  gekaakt,  d.  h.  geschlachtet,  indem
die  Kehle  aufgeschnitten  und  Leber  nebst  Galle  entfernt  werden.
Diese  Schlachtung  und  die  reine  Ausblutung  ist  von  großer  Wichtigkeit
  für  die  Güte  und  Haltbarkeit  des  Herings.  Die  Kaaker  sortieren,
  salzen  und  verpacken  die  Heringe  sofort  in  Tonnen.  Eine
Tonne  faßt  etwa  800  Stück  und  heißt  dann  Kantje.  Die  Fischer
unterscheiden  Vollheringe,  die  noch  Milch  und  Rogen  enthalten,
und  Ihlen,  die  bereits  gelaicht  haben;  Matjesheringe  sind  junge,
noch  nicht  laichfähige  Heringe.