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Lenze  die  Blütenknospen  sich  zum  Frühlingsfeste  rüsten,  so  legt
dieses  Käferlein  seine  Eier  daran,  und  die  Larven  höhlen  die  Knospen
  aus,  daß  nichts  davon  übrigbleibt  als  ein  Häuflein  vertrockneter
  Blätter.  Da  hat  der  Obstbaum  dann  das  Nachsehen.

Und  einige  Wochen  später,  im  Juni  etwa,  kommt  wieder  ein
Verwüster,  ein  kleiner  Schmetterling,  und  sieht  nach,  was  sein  Vorgänger
  übriggelassen  hat.  Es  ist  der  Apfelwickler.  Ist  nicht  gröher
  als  ein  Fingernagel  und  grau  und  unscheinbar  von  Gewand
und  ist  doch  des  Apfelbaumes  schlimmer  Feind.  Er  setzt  sich  auf
die  noch  unreifen  Wfelchen  und  legt  an  jedes  ein  einziges  Ei.  Das
Räupchen  aber  bohrt  sich  in  die  Frucht  hinein  und  frißt  die  Kerne
auf,  verschont  auch  das  Fleisch  nicht,  wenn  es  nichts  anderes  mehr
hat,  und  frißt  so  tatsächlich  sein  eigenes  Haus  auf.  Davon  wird
das  Würmlein  rund  und  dick  und  glänzt  vor  Fett,  und  nach  4  oder
5  Wochen  ist  es  so  groß  geworden,  daß  es  nun  auch  an  seine  Zukunst
  denken  darf.  Die  Raupe  frißt  sich  einen  Gang  nach  außen,
spinnt  sich  einen  Seidenfaden  und  läßt  sich  daran  herunter,  just  wie
der  Seiltänzer  von  seinem  Gerüst,  um  sich  in  der  Rinde  des  Baumes
eine  Schlafstelle  für  den  Winter  zurechtzumachen.  Erst  im  nächsten
Frühjahr  wird  eine  Puppe  daraus.

Mitten  im  heißesten  Sommer,  im  Juli,  kommt  aus  der  Familie
  der  Schmetterlinge  der  vornehmste  Besucher  des  Obstbaumes,
der  Ringelspinner.  Aber  der  vornehmste  ist  er  nur,  was  seine
Größe  angeht,  denn  er  ist  wohl  zwei=  bis  dreimal  so  groß  wie  sein
Vorgänger,  der  Apfelwickler;  sonst  ist  er  ebenso  schlimm  wie  seine
Genossen.  Er  legt  200  bis  400  Eier,  die  wie  graue  Glasperlen
aussehen,  in  Spirallinien  so  um  einen  Zweig,  daß  ein  Gürtel  oder
ein  Ring  entsteht.  Davon  hat  er  seinen  Namen.  Erst  spät  im
Frühjahr,  wenn  die  andern  Fresser  schon  lange  am  Werk  sind,
kommen  die  Raupen  daraus  hervor.  Sie  sind  anfangs  schwarzgrau,
  bekommen  aber  bald  eine  rote  und  blaue  Livree  und  sind
dann  schön  anzusehen.  Aber  sie  haben  eine  unersättliche  Freßgier  und
holen  daher  bald  nach,  was  sie  vorher  versäumt  haben.  Sie  wohnen
in  einem  großen  Nest  und  ziehen  von  hier  aus  jeden  Morgen  auf
Nahrungssuche  aus.  Sie  brauchen  nicht  lange  zu  suchen,  denn  das
Laub  hängt  rundum  weich  und  duftend  von  den  Zweigen  herab,
und  die  Blüten  leuchten  rosenhell  daraus  hervor,  daß  es  eine  Pracht
ist,  es  anzusehen.  Aber  das  dauert  nicht  lange.  Die  Raupen  fressen
vom  frühen  Morgen  bis  zum  späten  Abend,  erst  die  Blüten,  dann
die  Blätter,  und  sie  werden  dick  und  groß  davon  und  zuletzt  so  lang
wie  ein  halber  Finger.  Der  Baum  aber  steht  nach  einigen  Wochen
traurig  da  und  sieht  aus  wie  ein  Reiserbesen.