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bis  zu  einem  Meter  boch.  Am  oberen  Ende  (rägt  er  Astchen
mit  himmelblauen  Blüten.  Nach  der  Blütezeit  entwickelt  sich.
eine  erbsengroße  zehnfücherige  Kapsel  mit  zehn  Samenkörnern.
Aus  diesen  wird  das  Leinöl  gepreßt,  das  zum  Anstreichen  und
Malen  unentbehrlich  ist.  ja  sogar  als  Heilmittel  dient.  Die  Abfülle
  beim  Olschlagen  werden  zu  Kuchen  geformt  und  als  Zugabe
  beim  Vichfutter  verwertet.

Der  Flachs  wird  am  nützlichsten  durch  seine  Stengel  mit
den  langen  Fasern.  Diese  liefern  den  Stoff  zu  Leinwand  und
vielen  andern  Geweben.  Doch  bedarf  es  hierzu  mancherlei
Arbeiten.  Nach  der  Reile,  die  gegen  Ende  Juli  eintritt,  werden
die  Flachsstengel  ausgerupft,  in  Bündel  gebunden  und  zum
Trocknen  aufgestellt.  Alsdann  wird  der  Flachs  in  die  Scheune
gebracht;  dort  werden  die  Samenkapseln  von  den  Stengeln
abgestreift.  indem  man  die  Flachsbündel  durch  einen  eisernen
Kamm  zieht.  Neckereien  und  Lieder  versüßen  die  Arbeit.  Danach
  beginnt  die  Tauröste.  Die  Stengel  werden  in  langen  Zeilen
  auf  Wiesen  oder  Stoppelfelder  gelegt.  Durch  den  Wechsel
von  Feuchtigkeit  und  Trockenheit  faulen  die  holzigen  Teile
des  Stengels,  und  die  Fasern  lösen  sich  ab.  Nach  drei  bis
vler  Wochen  sind  die  Stengel  geröstet.  Nach  der  Erntezeit
werden  die  Stengel  zur  Brechgrube  gebracht  und  über  einem
Feuer  gedörrt:  dann  werden  die  Fascrn  mit  der  Handbreche
und  dem  Schwingstock  von  den  Holzteilen  getrennt.  Durch
das  llecheln  scheiden  sich  die  rauheren  und  kurzen  von  den
längeren  und  feinen  Fasern.  Die  rauhen  heiben  Werg;  sie
dienen  zur  Bereitung  der  gröberen  Leinwand.  Die  feinen  nennt
man  Haar;  aus  diesem  werden  die  feineren  Stofle  gewcbt.

Nunmehr  wird  der  Flachs  gesponnen.  Das  Spinnen  ist
eine  Beschäftigung  für  die  langen  Winterabende.  Um  Holz
und  Licht  zu  sparen,  versammeln  sich  die  Frauèn  und  Mäd-Chen
  benachbarter  Häuser  in  der  sogenannten  Spinnstube,  jeden
Abend  in  einer  andern,  bis  alle  an  der  Reihe  waren.  Bei  Anbruch
  der  Dunkelheit  kommen  sie  mit  dem  Rade  und  einem
Bündel  Flachs.  Im  Kreise  sitzend,  spinnen  sie  um  die  Wettc.
Erzählungen  und  Sagen.  Rätsel,  Sprüche  und  Lieder  kürzen  die
Arbeit.  Auch  die  Großmutter  ist  in  der  Spinnstube;  sie  erzählt
am  schönsten.  sie  weiß  viel  Ernstes  und  Heiteres  aus  ihrer