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scheid  weißt.“  Wilhelm  sagte:  „Gewiß,  darüber  kann  ich  schon  Auskunft
  geben.  Bis  zum  Ende  des  achtzehnten  Jahrhunderts  wurde
der  Zucker  ausschließlich  aus  dem  Zuckerrohr  gewonnen.  Als  der
Begründer  des  Zuckerrübenbaues  ist  Franz  Karl  Achard  aus
Kaulsdorf  bei  Berlin  anzusehen.  Nach  vielen  eingehenden  Versuchen
  gelang  es  ihm,  eine  Art  Runkelrübe  zu  züchten,  die  einen
hohen  Gehalt  an  Zucker  aufwies.  Im  Jahre  1799  legte  er  dem
Könige  Friedrich  Wilhelm  III.  eine  aus  Rüben  gewonnene  Zuckerprobe
  vor.  Sie  wurde  geprüft  und  entsprach  vollständig  den  Erwartungen.
  Der  König  erkannte  die  große  Bedeutung  der  Pflanze
und  gewährte  Achard  einen  Vorschuß  von  50  000  Taler.  Mit  diesem
  Gelde  erbaute  Achard  die  erste  Rübenzuckerfabrik  in  Kunern  in
Schlesien.  1802  wurde  sie  in  Betrieb  gesetzt.  Die  von  Achard  gezüchtete
  Rübe  wurde  in  großen  Feldern  angebaut  und  erhielt  den
Namen  sshlesische  Zuckerrübe“.  Ein  Franzose  mit  Namen  Vilmorin
brachte  sie  im  Jahre  1809  nach  Frankreich  und  zog  aus  ihr  die
nach  ihm  benannte  weiße  Vilmorin“."

Alle  waren  der  Rede  Wilhelms  aufmerksam  gefolgt.  Nachbar
  Dirks  nickte  Beifall.  „Das  hast  du  gut  gemacht,  Wilhelm!“
lobte  er.

„Werden  hier  in  der  Gegend  viel  Zuckerrüben  angebaut?“"
fragte  ich.

„Das  will  ich  meinen!“  antwortete  Nachbar  Dirks;  „unser
Boden  ist  recht  geeignet.“  „Wie  steht's  denn  mit  der  heurigen
Ernte?"  „Es  wird  ein  gesegnetes  Jahr,  Gott  sei  Dank!“  erwiderte
der  Hofbesitzer.  „Hält  das  Wetter  an,  so  können  wir  in  einigen
Wochen  mit  der  Abfuhr  beginnen.  Die  Fabrik  zahlt  einen  anständigen
  Preis.“  Vergnügt  rieb  sich  der  Alte  die  schwieligen  Hände.

Mittlerweile  war  die  Dunkelheit  hereingebrochen,  der  Mond
kam  zwischen  den  Bäumen  hervor.  Die  Bauern  klopften  ihre  Pfeife
aus,  und  einer  nach  dem  andern  begab  sich  zu  seinem  Gehäöfte.
Nur  ber  Lehrer  stand  noch  eine  Weile  bei  uns  unter  dem  Lindenbaum.

„Ich  möchte  noch  etwas  Näheres  über  den  Zuckerrübenbau  erfahren“,
  sagte  ich.  „Wenn  es  Ihnen  recht  ist,“  erwiderte  der
Lehrer,  „wollen  wir  morgen  einen  Spaziergang  durch  die  Felder
machen.  Dann  kann  ich  Ihnen  das  Nötige  erklären.  Also  bis  morgen!“
  Der  Lehrer  ging,  und  Onkel  Werther  schloß  das  Hoftor.

Am  andern  Morgen  fand  ich  mich  zeitig  bei  dem  freundlichen
Lehrer  ein.  Wir  wanderten  der  Sonne  entgegen.  In  unabsehbarer
Weite  dehnten  sich  die  Rübenfelder  rechts  und  links  vom  Wege  aus.
Die  tiefgrünen  Blattrosetten  waren  vom  Tau  beneptt,  und  aus  den
dunkeln  Ackerschollen  hoben  sich  die  dicken  weißen  Knollen  empor.

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