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treiben  und  reichliche  Nahrung  einziehen.  Man  häufelte  die  Erde
rings  um  den  Stock,  bamit  die  Pflanze  völlig  Speise  habe,  und
schaffte  jede  schlechte  Gesellschaft,  die  sich  etwa  ansiedelte,  alles  Unkraut,
  hinweg,  daß  es  ihr  nichts  schade.  Siehe,  gleich  ging's  besser
mit  ihr!  Sie  fertigte  nun  ihre  Knollen  faustdick  und  größer  und
speicherte  Mehl  in  ihnen  auf.  Alle  Bitterkeit  schwand.  Seit  man
ihr  das  Leben  süß  machte,  ward  sie  selber  süß.  Wer  möchte  die
Knollen  heutzutage  noch  tadeln,  wenn  sie  lieblich  duftend  als  leckeres
Mahl  auf  dem  Tische  dampfen  ober  als  Suppe,  Brei,  Klöße,  Pudding,
Plinsen,  Kuchen  den  Hungrigen  anlachen!

Eine  Zeitlang  hatten  die  Kartoffeln  noch  etwas  von  ihrer  wilden
  Natur  übrigbehalten.  Manche  Sorten  wurden  zwar  groß,
waren  aber  wässerig,  und  ihr  Geschmack  erinnerte  noch  stark  an  ihre
Heimat  bei  den  Indianern  an  der  südamerikanischen  Westküste.
Selbst  Bauern  und  Tagelöhner,  denen  doch  der  Hunger  manches
geringe  Gericht  würzt,  wollten  nicht  gern  anbeißen  und  nannten
die  Knollen  Schweinekartoffeln.  Jetzt  haben  sich  die  meisten  Knuollen
tabellos  herausgebildet,  und  die  Kartoffel,  die  der  arme  Mann  auf
seinem  Tische  hat,  kann  sich  auch  ohne  Schande  auf  des  Königs  Tafel
sehen  lassen.

Anfänglich  wollte  man  in  unserer  Heimat  auch  nicht  viel  von
dem  verdächtigen  Fremdling  wissen.  Erst  nach  und  nach  gewann  man
ihn  lieb,  und  jezt  mögen  ihn  nur  wenige  noch  entbehren.  Die  Kartoffel
  hat  die  Reise  um  die  ganze  Welt  gemacht  und  ist  jedermanns
Freund  geworden.  Vor  etwa  300  Jahren  brachte  der  englische  Seefahrer
  Franz  Drake  die  Kartoffel  aus  Chile  nach  Europa.  Er  hat
sich  dadurch  sehr  verdient  gemacht.  Ehedem  baute  der  Landmann
nur  Getreide  auf  seinem  Acker.  Führte  ein  Spätfrost  oder  anderes
ungünstiges  Wetter  eine  Mißernte  herbei,  so  ward  Schmalhans
Küchenmeister,  und  die  Not  im  Lande  war  groß.  Viele  suchten  damals
  Brennesseln  vom  Zaune  zum  Gemüse,  und  andere  starben  gar
Hungers.  Wenn  jetzt  das  Getreide  nicht  gut  gerät,  hilft  wenigstens
die  Kartoffel  aus  der  Not.

Viele  Fürsten  und  Herren  sahen  den  Vorteil  recht  gut  ein,
den  der  Kartoffelbau  ihrem  Lande  bringen  würde,  und  befahlen  den
Leuten,  Kartoffeln  zu  pflanzen.  Die  einen  drohten  den  Bauern  mit
Strafen,  wenn  sie  es  nicht  täten,  die  andern  verhießen  denen  Belohnung,
  die  viele  Kartoffeln  erzeugen  würden.  In  beiden  Fällen
gingen  die  Bauern  nur  sehr  langsam  daran.  Sie  waren  verdrießlich,
  daß  man  von  ihnen  etwas  Neues  verlangte,  denn  sie  ließen
lieber  alles  beim  alten;  das  waren  sie  einmal  gewohnt.  Andere
meinten,  es  sei  so  eine  neue  Grille  von  den  vornehmen  Herren,