—  216  —

schießen  sie  zahlreich  und  schnell  empor.  Daher  das  Sprichwort:
„Das  wächst  wie  Pilze  aus  der  Erde.“  Im  Moos  versteckt  oder  von
Laub  und  Erde  bedeckt,  sind  viele  dem  Blick  verborgen;  andere  Pilze
sind  sogar  so  klein,  daß  sie  nur  mit  der  Lupe  erkennbar  sind.  Die
Zahl  der  waldbewohnenden  Pilzarten  beläuft  sich  auf  viele  Tausende;
die  Anzahl  der  Pilze  überhaupt  schäht  man  auf  150  000  Arten.  Die
Natur  gab  diesen  Wesen  eine  wechselvolle  Gestaltungskraft.  Welch
eine  Abstufung  in  der  Größe  vom  Spaltpilzchen  bis  hinauf  zum
Fliegenpilz  und  Riesenbofist!

Alljährlich  geht  ein  nicht  unbedeutendes  Kapital  durch  unbenutzt
  verfaulende  Pilze  verloren;  die  Bewohner  unserer  Städte  und
Dörfer  lassen  jedes  Jahr  Millionen  der  wohlschmeckendsten  und  nahrhaftesten
  Pilze  in  ihrer  unmittelbaren  Nähe,  oft  an  den  täglich  betretenen
  Wegen,  in  den  Waldungen,  auf  den  Triften,  Heiden  und
Wiesen  verderben,  und  zwar  nicht  einmal  aus  Furcht  vor  Verwechslung
  mit  giftigen  Pilzen,  sondern  nur  aus  Geringschätzung  oder
vollständiger  Unkenntnis.

Nutzen  bringen  namentlich  die  vielen  eßbaren  Schwämme,  besonders
  in  Gebirgsgegenden.  In  der  Lausitz  werden  jährlich  etwa
20  000  Kilogramm  getrocknete  Pilze,  meist  Steinpilze,  im  Wert  von
28  000  Mark  verkauft,  in  Spremberg  allein  etwa  5000  Kilogramm.
Der  wirtschastliche  Wert  der  Pilze  wird  erst  dann  ausgenutzt  werden,
wenn  man  sie  noch  mehr  kennen  und  schätzen  lernt.

Eßbare  Pilze  zu  ziehen,  gelingt  mit  Sicherheit  bei  einer  geringen
Anzahl  von  Pilzen,  wie  dem  Champignon  und  dem  Stockschwamm.
Das  beste  Beispiel  für  den  Erfolg  solcher  Bemühungen  bietet  der
Champignon,  der  sich  als  angenehmer  Begleiter  von  Fleischspeisen
und  auch  als  Pilzgericht  für  sich  allein  einer  berechtigten  Wertschätzung
  erfreut.  Früher  wuchs  er  nur  wild,  wird  aber  seit  Jahrzehnten
  in  Frankreich,  England  und  Rußland  gewerbsmäßig  im  großen
  gezüchtet.  Auch  in  Deutschland,  wo  man  seiner  Kultur  bis  vor
kurzem  nur  wenig  Beachtung  schenkte,  beginnen  sich  großartige  Champignonzüchtereien
  aufzutun,  die  das  ganze  Jahr  hindurch  Tag  für
Tag  große  Ernten  von  vielen  Zentnern  abwerfen.  Welche  Summen
damit  verdient  werden  können,  läßt  sich  am  besten  an  Frankreich
erkennen,  wo  man  diese  Erträgnisse  für  den  Großhandel  auf  20
Millionen,  für  den  Kleinhandel  aber  auf  35—40  Millionen  Franken
schärt.  Dazu  kommen  noch  für  25  Millionen  Franken  Trüffeln,  die
jährlich  dort  gesammelt  werden.

Der  Nährwert  der  Pilze  ist  früher  wegen  ihres  Gehalts  an
Stickstoffverbindungen  überschätzt  und  dem  Nährwerte  des  Fleisches